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Die meisten der 65 selbstvermarktenden Weingüter und die drei Genossenschaften des Anbaugebiets sind von der Flutkatastrophe schwer getroffen worden. Das sagte Dr. Knut Schubert, Geschäftsführer des Weinbauverbands Ahr, auf Anfrage.

„Wir gehen in einer groben Schätzung von anderthalb Ernten aus, die in den Weinkellern verloren gegangen sind. Bei einer durchschnittlichen Jahresproduktion von rund vier Millionen Liter an der Ahr entspricht das einem Wert von 50 Millionen Euro,“ rechnet Schubert.

Die Situation sei derzeit „dramatisch“. Auch eine Woche nach der Katastrophe stünden oft weder Strom noch fließendes Wasser zur Verfügung. Die Winzer und Winzerinnen seien dabei, die Bestände und Lager zu sichten - aber Stahltanks und auch Flaschen seien vereinzelt unversehrt geblieben. „Die Restmengen werden geborgen und sind auch vermarktungsfähig, aber dafür ist es jetzt noch zu früh,“ berichtet der Verbandsgeschäftsführer.

336 zerstörte Gebäude in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Die etwa sechs Meter hohe Flutwelle des sonst schmalen Flüsschens Ahr hat gewaltige Zerstörungen im gesamten Tal verursacht und viele Menschenleben gekostet. Laut Informationen des Deutschen Weininstituts (DWI) seien zwei Winzerinnen von den Flut mitgerissen worden. Sie hätten sich sieben Stunden an einem Baum festgeklammert, bis sie Feuerwehrleute mit dem Boot retten konnten. Genaue Zahlen über Schäden, Verletzte und Tote liegen bislang aber nicht vor. Laut einer ersten satellitengestützten Schadenserfassung für Gebäude des Gemeinsamen Melde- und Lagezentrums hat die Flut beispielsweise in Bad Neuenahr-Ahrweiler 336 Gebäude komplett zerstört, 687 teils schwer beschädigt und 2791 „möglicherweise beschädigt“. Darunter sind viele Weinbaubetriebe. Auf Facebook schrieb etwa die Winzergenossenschaft Mayschoss: „Aktuell wissen wir nicht, wie es weitergehen soll. (…) Das komplette Gebäude der WG ist zerstört, und wir wissen aktuell nicht, wo wir zuerst helfen und anfangen sollen.“

Nur die wenigsten Winzer hätten laut Schubert eine Elementarschadens-Versicherung abgeschlossen. Daher seien die Betriebe tatsächlich auf Spenden und die Unterstützung durch den Bäuerlichen Hilfsfonds angewiesen. „Die Winzer brauchen dringend wirtschaftliche und unbürokratische Hilfe,“ betonte Knut Schubert.

 

"Wir müssen die Ernte 2021 sichern"

Das wichtigste Anliegen sei aktuell, "die Ernte 2021 zu sichern, um vermarktungsfähig zu bleiben". Zwar habe es in den Tallagen auch Verluste in den Weinbergen gegeben, aber die Steillagen seien unversehrt und müssen gepflegt werden. „In acht Wochen geht die Lese los, und danach müssen wir den 2021er-Wein ausbauen und vermarkten,“ erklärte Schubert. Pflanzenschutz stehe derzeit ganz oben an der Tagesordnung, ein Einsatzteam koordiniere momentan die Laubarbeiten und das Ausbringen der Pflanzenschutzmittel. Dazu seien viele freiwillige Helfer von auswärts an die Ahr gekommen.

„Wo die Weine in diesem Jahr gekeltert werden können, steht noch in den Sternen“, fügte er hinzu. Niemand habe derzeit einen Überblick, welche Keller überhaupt nach den Aufräumarbeiten wieder instand gesetzt werden können. „Auslagern ist ganz schwierig, da haben wir bereits mit Kollegen vom Mittelrhein und der Mosel gesprochen. Dabei müssen ja auch die weinbaurechtlichen Fragen berücksichtigt werden“, gibt Schubert zu bedenken. Der Deutsche Weinbauverband und die Regionalverbände arbeiteten bereits an einer Lösung. „Die Solidarität ist enorm“, so Schubert.

( ru /Quelle: wein.plus - Foto: Winzergenossenschaft Mayschoss)

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