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Seit 2014 lebt der deutsche Winzer Henri Fink auf Mallorca. Raffaella Usai hat ihn während der Weinlese besucht. Fink hat ihr von seinen norddeutschen Wurzeln, seinem Weg von der Mosel über die USA auf die Insel sowie seinem ungewöhnlichen Projekt „Isla Wine” erzählt.

Henri Fink im Gespräch mit wein.plus-Redakteurin Raffaella Usai.

Raffaella Usai

Du kommst ursprünglich von der Nordseeküste. Das ist kein Ort, der berühmt für seinen Wein ist. Wie kommt ein Friese dazu, Winzer zu werden?

Henri Fink: Die Idee, eine Winzerausbildung zu machen, kam erst nach dem Abitur. In meinem Heimatort Bockhorn gab’s für mich damals keine guten Berufsaussichten. Der Großteil meiner Familie arbeitet auch heute noch im Airbus-Werk bei Wilhelmshaven. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem Studium der Sozialwissenschaften suchte ich etwas Handfestes.

Hattest du vorher schon eine Verbindung zum Wein?

Henri Fink: Nur im weitesten Sinne. Meine Eltern hatten einen Getränkemarkt. 

Also warst du ein echter Wein-Einsteiger.

Henri Fink: Sagen wir so, in die Wiege gelegt wurde es mir nicht. Eine gute Freundin hat mich auf die Idee gebracht, es mit Weinbau zu versuchen. Also hab‘ ich eine Bewerbung geschrieben – genau genommen eine einzige – und gleich den Ausbildungsplatz bekommen. Das war 2005.

Wie war dein erster Eindruck vom Winzerleben?

Henri Fink: Als ich das erste Mal an die Mosel kam, war ich fasziniert. Überall Reben, die Steillagen, sowas hatte ich ja noch nie gesehen. Es war überhaupt mein erste Reise in den Süden Deutschlands (lacht). Ich hatte anfangs eine sehr romantische Vorstellung vom Weinbau und von der Arbeit im Weinberg. Ich wollte die Natur genießen, in der Pause eine Brotzeit zwischen den Reben machen. Und dort war das auch tatsächlich so.

 

Henri Fink hat ein großes Gespür für Weine.

Raffaella Usai

Wo hast du deine Ausbildung gemacht?

Henri Fink: In einem Weingut in Maring-Noviand. Der Betrieb ist einer der Pioniere im Ökoweinbau an der Mosel und hat bereits sehr früh mit Ecovin zusammengearbeitet. Am Ende der Ausbildung war mir endlich klar: Das ist es, was ich machen will!

Wie ging’s dann weiter?

Henri Fink: Durch Zufall lernte ich einen Winzer aus der Pfalz kennen, der seit den 80er-Jahren in den USA arbeitete. Er suchte jemanden für die kommende Weinlese in seinem Betrieb in Michigan. Also hab‘ ich ein Visum beantragt, bin rüber geflogen und war pünktlich am ersten Lesetag dort.

In Michigan? Gibt es da Weinbau?

Henri Fink: Ja, und gar nicht mal so wenig. Es ist ein klassisches Cool-Climate-Gebiet mit langen Wintern und spätem Austrieb. Der Weinbau dort profitiert aber vom Great-Lake-Effekt, der die Wetterextreme abfedert. Angebaut werden vor allem Riesling, Pinots und Gamay, aber auch andere internationale Sorten. Sogar Sangiovese! Die Jungs sind sehr experimentierfreudig.

Was hast du dort gemacht?

Henri Fink: Fast nur Kellerarbeit. Der Betrieb hat rund 150 Hektar bewirtschaftet und ich habe dort gelernt, wie ein großes Weingut funktioniert. Bislang hatte ich keine Ahnung von Kellerstruktur und systematischer Teamarbeit. 

 

Während der Lese ist Henri fast rund um die Uhr im Keller.

Raffaella Usai

Du bist für eine Weinlese geblieben?

Henri Fink: Nein, ich war zweieinhalb Jahre in den USA. Um meinen Aufenthalt zu verlängern, war ich an der Ohio State University im Fach Önologie und Weinbau eingeschrieben. Aber irgendwann musste ich dann doch zurück. Weil ich mein Wissen vertiefen wollte, habe ich meine Technikerausbildung an der Weinbauschule in Weinsberg gemacht. Nach dieser zweiten Ausbildung und der Arbeitserfahrung in den USA war ich bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Und dann bist du nach Mallorca ausgewandert?

Henri Fink: Nein, ich bin zurück an die Mosel und war zwei Jahre lang als Außenbetriebsleiter eines Weinguts tätig. Meine damalige Freundin, auch Winzerin, hatte schon immer den Wunsch, in den Süden zu ziehen. Als ich ein Jobangebot von einem kleinen, von Deutschen geführten Weingut auf Mallorca bekam, hab‘ ich ihr das weitergeleitet. Und da ich beruflich noch gebunden war, hat sie sich beworben.

Es war aber klar, dass du ihr folgen wirst?

Henri Fink: Ja, der Plan war, dass ich den Job später übernehme. Sie ist schon mal vorgefahren und hat die freie Stelle angetreten - was ihr so gut gefallen hat, dass sie dort unbedingt weitermachen wollte. Für uns beide war das Weingut jedoch zu klein.

Das heißt, du warst der Liebe wegen auf Mallorca und arbeitslos?

Henri Fink: Genau (lacht). Ich brauchte eine Idee, was ich als Winzer hier auf der Insel machen könnte. Als Ergebnis der Überlegungen entstand 2016 das Unternehmen WeinWert.

 

Über hundert Weine liegen im Keller von Vino de la Isla.

Raffaella Usai

Was verbirgt sich dahinter?

Henri Fink: WeinWert ist ein Dienstleistungsunternehmen, das Weinberge im Kundenauftrag anpflanzt und pflegt. Es gibt auf Mallorca unglaublich viele Leute, die hier einen Teil ihres Lebens verbringen, aber nicht ständig vor Ort sind. Die meisten von ihnen haben große Grundstücke rund um ihre Ferienhäuser, weil das Baurecht vorschreibt, dass man mindestens 1,4 Hektar Land besitzen muss. Und diese Flächen lagen oft brach und wurden nicht bewirtschaftet. Da haben wir angesetzt.

Wurde die Idee des eigenen Weinbergs von den Finca-Besitzern angenommen?

Henri Fink: Wir haben das Projekt zunächst mit der Frage beworben: „Was fehlt dir noch zum Glücklichsein?“ – und das hat gut funktioniert. Wer eine Finca besitzt, vielleicht ein Boot im Hafen liegen hat, dem fehlt natürlich nichts. Aber die Vorstellung, einen eigenen Wein zu haben, hat viele Eigner gereizt. Zudem kam der Aspekt der Landschaftspflege hinzu, denn wer will schon gerne von seiner Terrasse auf eine brachliegende Fläche schauen? Weinbau ist ein kulturelles Thema und umfasst Natur, Geschichte und Philosophie. Viele unserer Kunden brachten schon Leidenschaft für Wein mit.

Wie groß sind diese schlüsselfertigen Weinberge und wie viele Hektar bewirtschaftet ihr heute mit Weinwert?

Henri Fink: Wir haben Weinberge in den unterschiedlichsten Größen gepflanzt. Die Mindestgröße beträgt 1.000 Quadratmeter. Im Schnitt beträgt die Pflanzfläche eines Weinbergs ein paar Tausend Quadratmeter. Für einige wenige Kunden haben wir auch hektargroße Weinberge gepflanzt. Insgesamt sind es mittlerweile über 100 Hektar auf der ganzen Insel zwischen Andratx und Artà.

 

Im Keller stapeln sich kleine Stahltanks – eine Herausforderung, hier den Überblick zu behalten.

Raffaella Usai

Und jeder Kunde erhält seinen eigenen Wein?

Henri Fink: Exakt. Der zweite Schritt nach dem Anlegen der Weinberge war die Vinifikation der Trauben. Dazu haben wir die Firma Vino de la Isla gegründet und das Château in Algaida gekauft, wo heute der Sitz beider Unternehmen ist. Mit dem Jahrgang 2023 produzieren wir im Château weit über hundert verschiedene Weine.

Das sind ja oft nur Mikrovinifikationen, oder?

Henri Fink: Ja, deswegen haben wir auch so viele Tanks im Keller. Jeder Kunde hat sein eigenes Etikett, manche haben auch mehrere Weine, je nach Größe des Weinbergs. Während der heißen Phase dauert eine Runde zum Probieren der Weine rund drei Stunden. 

Wie behältst du den Überblick bei der Menge an Weinen?

Henri Fink: Das ist manchmal schon eine große Herausforderung bei der riesigen Datenmenge. Wir arbeiten derzeit an einer personalisierten Software-Lösung, um das Ganze noch besser strukturieren zu können.

Was charakterisiert den Weinbau auf Mallorca?

Henri Fink: Wenn ich es mit den Orten vergleiche, an denen ich vorher gearbeitet habe, ist vor allem das mediterrane Klima entscheidend. Die Böden und die Anbaubedingungen sind komplett anders, als ich sie kannte. Hanglagen zum Beispiel braucht es auf der Insel nicht, da es hier keine Probleme mit dem Ausreifen gibt. Hier achten wir besonders darauf, dass die Weine nicht zu viel Alkohol entwickeln und möglichst viel Säure bewahren. Die Böden sind sehr alkalisch und haben hohe ph-Werte. Das spürt man auch in den Mosten. Auf diese mikrobiologischen Gegebenheiten musste ich mich auch erst einstellen.

 

Manto Negro ist die meistangebaute autochthone Rebsorte Mallorcas.

Raffaella Usai

Wie hast du das gemacht?

Henri Fink: Ich habe viel experimentiert. Einen frischen, knackigen Weißwein auf Mallorca zu erzeugen, ist manchmal nicht so einfach. Es erfordert Fingerspitzengefühl. Wir haben einige Versuche mit einer sehr frühen Lese gemacht, aber da bringt man automatisch viele grüne Aromen mit in den Keller – da muss man wirklich alle Details berücksichtigen.

Wie sieht es mit Schaumweinen aus?

Henri Fink: Es ist tatsächlich ein Thema, an dem wir arbeiten. Wir haben einige Grundweine aus der Rebsorte Macabeo im Keller, die durchaus für flaschenvergorene Schaumweine geeignet sind. Das werden wir auf jeden Fall versuchen. Denn die Nachfrage ist da und es gibt wenig Schaumwein aus Mallorca.

Was ist mit den autochthonen mallorquinischen Rebsorten?

Henri Fink: Weinbau hat auf Mallorca eine lange Tradition. Heute gibt es noch 3.000 Hektar Reben, aber früher waren es viel mehr. Ich arbeite gerne mit den autochthonen Rebsorten, vor allem mit Manto Negro, einer Sorte, aus der man leichte Rotweine mit einer tollen Frucht machen kann.

Du erzeugst Weine für deine Kunden. Willst du nicht auch eigene machen?

Henri Fink: Jeden Weinberg, den ich hier angelegt habe, sehe ich als meinen an und behandle ihn entsprechend. Für mich sind alle Weine, die im Keller liegen, meine „Babys“. „Vino de la Isla” ist ein Projekt, das mich rund um die Uhr beschäftigt. Da brauche ich kein eigenes Etikett.

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