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Weine bieten oft Düfte und Aromen von Pflanzen, Kräutern und Blumen wie Eukalyptus, Rosmarin und Veilchen. Dass diese Noten tatsächlich von den in der Umgebung der Weinberge wachsenden Pflanzen stammen, belegt die kürzlich vorgestellte Studie des spanischen Forschungszentrums "Institut Català de la Vinya i el Vi" (Incavi) in Vilafranca del Penedès. Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Pflanzen sind Teil des Terroirs und sollten von den Weinbauern besser verstanden werden, da sie den Herkunfts-Charakter stärken.

Es ist wissenschaftlich unbestritten, dass Merkmale wie Topographie und Klima einen deutlichen Einfluss auf den Charakter von Weinen haben können. Bislang war jedoch wenig darüber bekannt, ob und wie die im Weinberg vorherrschende Pflanzenwelt die Aromen der erzeugten Weine beeinflusst. Um diese Frage zu klären, arbeiteten die Forscher von Incavi seit 2019 an einer Studie. Ihr Ziel war es, Übereinstimmungen zwischen den Aromen der Pflanzen in der Landschaft und den dort wachsenden Weinen zu finden und zu analysieren. Für das Projekt wurde eine Arbeitsgruppe mit den Weingütern Vinyes Domènech *** (DO Montsant), Perelada *** (DO Empordà), LaFou (DO Terra Alta), La Gravera (DO Costers del Segre) und Can Feixes *** (DO Penedès) gegründet.

Rosmarinduft im Wein

Rosmarin wächst in allen untersuchten Weinbergen
Rosmarinus officinalis ©wikimedia

Für die Studie wurden 168 Pflanzen identifiziert, die in den untersuchten Weinbergen oder in deren Umgebung vorkommen. Dabei zeigte sich, dass jede Parzelle ein spezifisches botanisches Umfeld hat, was auch zu einem speziellen „aromatischen Fingerabdruck“ führt.

Aus den Pflanzen jedes einzelnen Weinberges wurden Extrakte destilliert, die über Gaschromatographie mit 73 aromatischen Verbindungen aus den entsprechenden Weinen der Jahrgänge 2020 und 2021 verglichen wurden. Zu diesen 73 Verbindungen gehören die Norisoprenoide Ionon und Damascenon, die blumige und fruchtige Aromen wie Veilchen, Apfel und Pflaume aufweisen und in aromatischen Pflanzen vorkommen. Auch wurden Terpene wie Terpienol in den Weinen gefunden, die in Rosmarin vorkommen. Rosmarin wächst in allen untersuchten Weinbergen.

Die 73 analysierten aromatischen Verbindungen wurden in 17 Familien eingeteilt. Zu den in den Weinen identifizierten und in den Pflanzen gefundenen Aromen gehören Terpene wie Terpienol mit einem Zitrusaroma, Phenole wie Eugenol mit einem würzigen Aroma und Polymercaptane wie Mercaptopentanon mit einem pflanzlichen Aroma von Buchsbaum. Diese Ergebnisse wurden durch eine sensorische Analyse der Weine ergänzt.

Die Kenntnis der Pflanzen verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Weinkellereien

Die wichtigsten Schlussfolgerungen dieser Studie sind, dass es Übereinstimmungen zwischen den Aromen der Pflanzen und den Aromen der Weine gibt, wie im Fall von Terpienol, Eugenol und Polymercaptanen. Die Pflanzen in der Umgebung der Weinberge beeinflussen also das Aromenprofil der Weine. Damit tragen sie zum speziellen Charakter von Weinen bei - und sind somit Bestandteil des Terroirs.

 

Pflanzen prägen das Terroir

Oekologisch bewirtschafteter Weinberg
©DWI

Die Generaldirektorin des durchführenden Forschungszentrums Incavi, Alba Balcells, folgert daraus: „Mit einer besseren Kenntnis der aromatischen Pflanzen und der Aromen, die der Wein hat, wird es auch möglich sein, die Einzigartigkeit der Weine jeder Weinkellerei und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“

Joan Ignasi Domènech von der an dem Projekt beteiligten Weinkellerei Vinyes Domènech erklärt, dass "Für die Weinkellereien die biologische Vielfalt von grundlegender Bedeutung ist, da sie als Prinzip des regenerativen Weinbaus verstanden wird und ein Schlüsselfaktor ist, um die Einzigartigkeit der Umgebung des Weinbergs durch die Qualität und die Aromen der Weine zum Ausdruck zu bringen".

Daher sei es unbedingt nötig, die biologische Vielfalt wiederherzustellen, zu erhalten und zu verbessern, so die Studienautoren. Eine eingehende Kenntnis der botanischen Landschaft der Weinberge sei wichtig. „Die Einbeziehung von Nachhaltigkeit und Authentizität in die Produkte durch die Erhaltung von Pflanzen, die in den Weinbaugebieten heimisch sind, in denen sie vorkommen, und die Tatsache, dass diese biologisch angebaut werden, sind Elemente, die die Verbraucher zu schätzen wissen und die unseren Weinen einen Mehrwert verleihen", sagt Enric Bartra, Forscher bei Incavi.

© Aufmacher-Foto: ECOVIN

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