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Die griechische Weinbaugeschichte reicht mindestens bis ins 16. Jahrhundert vor Christus zurück. Heute rangiert Griechenland als Weinproduzent weltweit im oberen Mittelfeld, mit einer Rebfläche von rund 117.000 Hektar (2007) und einer Menge von rund 3,5 Millionen Hektolitern (2007). Die Weinbauflächen befinden sich größtenteils in Küstennähe, wobei die Weinberge oft in höheren Lagen anzutreffen sind. Das Land teilt sich in insgesamt neun Weinbauregionen, in denen etwa 300 einheimische sowie internationale Rebsorten kultiviert werden.

 

Die Weinregionen Griechenlands (Quelle: Pitichinaccio/Wikipedia)

Nordgriechenland hat vier Weinbaugebiete: Thrakien im Nordosten, Makedonien im Norden sowie Epirus und Thessalien im Nordwesten. Die Gesamtrebfläche beträgt rund 10.000 Hektar (2011), und die natürlichen Voraussetzungen für den Weinbau sind grundsätzlich günstig: Ein gemäßigtes, ausreichend feuchtes Klima und fruchtbare Böden schaffen gute Wachstumsbedingungen für die Vegetation. Die vier nordgriechischen Weinregionen, die im Folgenden ausführlicher dargestellt werden, verfügen teilweise über Rebsorten, die nur in einem kleinen Gebiet wachsen und Gewächse mit ganz eigenem Charakter hervorbringen. In ganz Griechenland heimische, autochthone Rebsorten sind als rote Varietäten vor allem Xinomavro und Limnio sowie die weißen Assyrtiko, Athiri, Roditis, Malagousia und auch Moschato.

Thrakien

 

Die Weinregion Thrakien (Quelle: Pitichinaccio/Wikipedia)

Thrakien liegt im äußersten Nordosten Griechenlands und grenzt westlich an die Türkei sowie südlich an Bulgarien. Mit rund 600 Hektar (2011) ist die Rebfläche eher klein. Das warme, trockene Klima wird gemildert durch Nordwinde aus höheren Lagen, aber auch durch eine Meeresbrise von Süden. Die Kalk- und Sandböden sind teilweise mit Schiefer und Eisen durchsetzt, in den Küstengebieten herrscht Schwemmland vor. In Thrakien gibt es keine geschützte Ursprungsbezeichnung, doch drei Herkunftsangaben für Landweine: Thrakikos (für Weine aus der gesamten Region), Ismarikos (für Weine aus dem Regionalbezirk Rodopi in Zentralthrakien) und Avdira (für Weine aus dem Regionalbezirk Xanthi in Westthrakien).

Die thrakischen Weine wurden bereits im 8. Jahrhundert vor Christus vom Dichter Homer gerühmt, und produziert werden heute Rot-, Rosé- und Weißweine. Als rote Rebsorten werden neben Xinomavro und Limnio die einheimischen Varietäten Mavroudi und Pamidi sowie die internationalen Sorten Cabernet Sauvignon, Carignan, Grenache, Merlot und Syrah angebaut. Weiße Traubensorten sind neben Assyrtiko, Athiri, Malagousia und Roditis die autochthone Zoumiatiko sowie Chardonnay und Sauvignon Blanc.

Makedonien

 

Die Weinregion Makedonien (Quelle: Pitichinaccio/Wikipedia)

Makedonien liegt zentral im Norden Griechenlands und grenzt südlich an Albanien, die Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM) und Bulgarien. Einerseits finden sich im Westen der Region Gebirge, andererseits liegt in Makedonien auch die größte Ebene Griechenlands. Reben wachsen auf rund 7.200 Hektar, es herrscht kontinentales Klima mit heißen Sommern, kalten Wintern und ausreichend Feuchtigkeit. Die Böden sind von Sand und Lehm geprägt, an der Küste dominiert wiederum Schwemmland.

Makedonien verfügt über vier geschützte Ursprungsbezeichnungen: Amynteon, Goumenissa, Naoussa und Playies Meliton. Die Appellation Amynteon liegt im Regionalbezirk Florina im Nordwesten Makedoniens, rund um den See Vegoritis. Aus Amynteon kommt auch der einzige Rosé-Schaumwein Griechenlands mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Die Appellation Goumenissa befindet sich im Westen des nordmakedonischen Regionalbezirks Kilkis, am Fuße des Bergs Paikon und nahe der Stadt Goumenissa. Die Appellation Naoussa liegt im Regionalbezirk Imathia, am westlichen Rand der zentralmakedonischen Tiefebene, und erstreckt sich um die Stadt Naoussa am Fuße des Bergs Vermion. Die Appellation Playies Meliton (auch Côtes de Meliton) liegt im Regionalbezirk Chalkidiki an den Hängen des Bergs Meliton auf der Ägäis-Halbinsel Sithonia.

In Makedonien werden überwiegend Rotweine produziert, vornehmlich aus Xinomavro. Weitere rote Rebsorten sind Limnio und Negoska, der gern mit Xinomavro verschnitten wird, sowie Cabernet Sauvignon, Grenache, Merlot, Syrah und Cabernet Franc. Auch Rosé-Still- und Schaumweine sowie Weißweine werden hergestellt, letztere aus Roditis, Athiri, Assyrtiko und Moschato sowie aus Sauvignon Blanc und Chardonnay.

Epirus

 

Die Weinregion Epirus (Quelle: Pitichinaccio/Wikipedia)

Epirus, im äußersten Nordwesten Griechenlands an der Grenze zu Albanien gelegen, zeichnet sich durch eine raue und gebirgige Landschaft aus. In der kargen Region sind rund 500 Hektar mit Reben bestockt, die in kontinentalem, feuchtem Klima überwiegend auf Sand- und Lehmböden wachsen. Zitsa, die einzige geschützte Ursprungsbezeichnung in Epirus, liegt im Regionalbezirk Ioannina im Zentrum der Region nahe dem Pamvotida-See. Darüber hinaus verfügt die Gegend über die Herkunftsbezeichnung Metsovo für Landweine.

In Epirus werden hauptsächlich Weiß- und Schaumweine aus der autochthonen Rebsorte Debina erzeugt, die sich mit Apfelaromen und deutlichem Säurebiss präsentieren. Des weiteren werden die weißen Sorten Gewürztraminer, Riesling und Sauvignon Blanc angebaut; Rotweine entstehen aus Bekari, Vlachiko, Agiorgitiko und Cabernet Sauvignon.

Thessalien

 

Die Weinregion Thessalien (Quelle: Pitichinaccio/Wikipedia)

Thessalien grenzt im Norden an Makedonien und im Westen an Epirus, im Süden schließt sich die Region Zentralgriechenland an. Auch in Thessalien bestehen unterschiedliche Landschaftsformationen mit weiten Ebenen einerseits sowie dem Olymp-Gebirge an der Ostküste andererseits. Die Rebflächen erstrecken sich über 3.500 Hektar, wobei die Trauben in mildem, feuchtem Klima gedeihen und die Weinstöcke auf eisenhaltigen Schieferböden mit Sand-Lehm-Unterlage stehen; an der Küste herrscht auch hier Schwemmland vor.

Thessalien hat drei geschützte Ursprungsbezeichnungen: Anchialos, Messenikola und Rapsani. Die Weißwein-Appellation Anchialos liegt im Regionalbezirk Magnisia im Südosten der Region. Messenikola, im westthessalischen Regionalbezirk Karditsa auf bis zu 800 Metern Höhe gelegen, ist ebenso eine Rotwein-Appellation wie die bekanntere Ursprungsbezeichnung Rapsani, deren Weinberge im nordostthessalischen Regionalbezirk Larisa auf bis zu 700 Metern Höhe am Fuße des Olymp liegen.

Die Rotweine Thessaliens werden aus den Rebsorten Limnio, Limniona (trotz des ähnlichen Namens nicht mit Limnio verwandt), Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot, Cinsault und Muscat d‘Hambourg produziert. In der Appellation Rapsani werden die roten Trauben Xinomavro, Krassato und Stavroto miteinander verschnitten. Als weiße Rebsorten werden Assyrtiko, Roditis, Batiki, Savatiano und Chardonnay angebaut. Savatiano und Roditis sind die Verschnittpartner für den Weißwein aus der Appellation Anchialos.

Qualitätsstufen griechischer Weine

 

Weinlandschaft in Amynteon% Makedonien (Quelle: Alpha Estate)

Das erste Weingesetz in Griechenland entstand bereits vor 2.400 Jahren. Heute orientieren sich die weinrechtlichen Vorgaben an dem Qualitätssystem, das Anfang der 1970er Jahre nach französischem Vorbild etabliert wurde. Dieses System regelt unter anderem die Zulassung von Rebsorten, den Maximalertrag pro Hektar, das Mindestmostgewicht sowie vorgeschriebene Reifezeiten. Nachdem die EU-Weinmarktreform von 2007 das Weinbezeichungsrecht geändert hat, gelten auch in Griechenland seit Herbst 2009 neue Bezeichnungen für die einzelnen Qualitätsstufen; die bisherigen Bezeichnungen dürfen jedoch mindestens bis Ende 2011 weiter verwendet werden.

Die bisherige Kategorie Tafelwein wurde von Epitrapezios Oinos in Oinos (sprich: “Inos”) umbenannt. Kava ist die frühere Bezeichnung für einen länger gelagerten Tafelwein höherer Qualität. Die Kategorie Landwein (siehe hierzu auch den Magazinartikel “Das neue Weinbezeichnungsrecht - Begriffe und Hintergründe“) hieß bisher Topikos Oinos und entspricht nun dem Wein mit geschützter geografischer Angabe, auf Griechisch Prostatevomenis Geografikis Endixis, abgekürzt PGE. In Nordgriechenland bestehen rund 100 PGE-Appellationen unterschiedlicher Größe – von den vier geografischen Regionen (Thrakien, Makedonien, Thessalien, Epirus) über die Regionalbezirke (Thessaloniki, Chalkidiki etc.) bis zu einzelnen kleinen Gebieten (Berg Athos, Avdira, Metsovo, Krania etc.). Eine Liste aller PGE-Appellationen findet sich im Magazinartikel “Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine”.

Die Qualitätswein-Kategorie, die bisher Onomasia Proléfseos Anoteras Piotitos (OPAP) und für Süßweine Onomasia Proléfseos Eleghomeni (OPE) hieß, entspricht nun den Weinen mit geschützter Ursprungsangabe, auf Griechisch Prostatevomenis Onomasias Proléfsis (POP). Die acht POP-Appellationen in Nordgriechenland sind, wie bereits dargestellt, Amynteon, Goumenissa, Naoussa und Playies Meliton in Makedonien, Anchialos, Messenikola und Rapsani in Thessalien sowie Zitsa in Epirus. Für gereifte Weine stehen nach bisheriger Regelung zusätzlich die Bezeichnungen Epilegmenos für Reserve (Weißweine mindestens zwei Jahre, Rotweine mindestens drei Jahre Reife) und Idika Epilegmenos für Grande Reserve (Weißweine mindestens drei Jahre, Rotweine mindestens vier Jahre Reife) zur Verfügung. Die griechische Bezeichnung für Schaumwein lautet Aphrodis Oinos oder Sampania.

Weinwirtschaft und Weintourismus in Nordgriechenland

 

Die Weinstraßen von Nordgriechenland (Quelle: Wine Roads of Northern Greece)

Die maßgebliche Instanz im nordgriechischen Weinbau ist der Verband “Wines of North Greece”, der im Jahr 1993 von 13 ambitionierten Winzern gegründet wurde. Die heute 37 Mitgliedsbetriebe zählende Organisation hat neben dem modernen, dynamischen Weinbau und der hohen Qualität der produzierten Weine auch die Förderung der nordgriechischen Weine auf den Exportmärkten und die Entwicklung des Önotourismus in Nordgriechenland zum Ziel. Seit 2000 veranstaltet der Verband jedes Jahr im März den “Internationalen Weinwettbewerb von Thessaloniki”, bei dem Önologen, Sommeliers und Fachjournalisten aus allen Teilen der Welt drei Tage lang griechische Weine beurteilen.

Darüber hinaus haben sich 39 Weingüter gemeinsam mit gastgewerblichen und anderen Betrieben zur Vereinigung “Weinstraßen von Nordgriechenland” zusammengeschlossen. Mit deren Hilfe können genussfreudige Griechenland-Touristen acht Weinrouten durch die Anbauregionen bereisen, die zu Weingütern, Restaurants, Hotels und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten führen.

Im Oktober 2011 präsentierten sich 21 Mitglieder des Weinbauverbands bei zwei City-Tastings nordgriechischer Weine, die “Wines of North Greece” zusammen mit Wein-Plus in München und Wiesbaden organisiert hatte. Mit rund 300 Fachbesuchern aus Handel und Gastronomie waren diese Veranstaltungen ein großer Erfolg, und zahlreiche Fachhändler, die sich vor Ort von der Qualität der Weine überzeugen konnten, nehmen nun Gewächse aus Nordgriechenland in ihr Sortiment auf. Die City-Tastings waren Teil der Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine, die Wein-Plus und der Verband gemeinsam ins Leben gerufen haben und im Jahr 2012 fortsetzen wollen.

Zur Website von "Wines of North Greece", wo auch eine Liste aller Verbandsmitglieder abrufbar ist; die im Weinführer von Wein-Plus klassifizierten Erzeuger sind oben den einzelnen Anbauregionen zugeordnet (siehe Glossar-Links in den jeweiligen Kästen).

Zur Website von "Wine Roads of Northern Greece"

Alle aktuell verkosteten Weine aus Thrakien im Weinführer

Alle aktuell verkosteten Weine aus Makedonien im Weinführer

Alle aktuell verkosteten Weine aus Epirus im Weinführer

Alle aktuell verkosteten Weine aus Thessalien im Weinführer

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