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Um uns ein Bild von der Erderwärmung zu machen, müssen wir hier in der Redaktion keine Klimadaten und -Statistiken wälzen. Oft reicht schon ein Blick auf unsere Verkostungsbögen. Wenn wir Anfang dieses Jahrtausends eine nach Alkoholgehalt aufsteigend sortierte, sagen wir mal dreiseitige Probenliste von Chianti Classico vor uns hatten, begann die mit 12 oder 12,5% Alkohol, war am Ende der ersten Seite bei 13% angelangt und ganz zum Schluss kam es vor, dass einige Weine mit 14% auf uns warteten. Heute haben die ersten drei, vier Weine noch weniger als 13,5%, die Vierzehnprozenter beginnen bereits auf der ersten Seite und ganz am Ende stehen zuverlässig auch ein paar Exemplare mit 15 oder sogar mehr Volumenprozent Alkohol.

Die Zeit der schlanken, herb-frischen, knackigen Chianti Classico ist längst vorbei, von seltenen Ausnahmen einzelner Produzenten, die dieses Stil offenbar noch ganz gezielt verfolgen, einmal abgesehen. Das hat auch einige Vorteile: denn auch karge, spröde, dünne oder unreife Weine begegnen einem kaum mehr. Die Durchschnittsqualitäten, das kann man mit Gewissheit sagen, waren wohl noch nie so hoch wie heute. Wer allein angesichts der Zahlen Mengen an breiten, kompottigen, schweren Weinen erwartet, hat ohnehin die Rechnung ohne den Sangiovese gemacht. Der nämlich bringt auch bei hoher Reife oft genug eine gewisse Säurefrische mit, seine Saftigkeit und sein straffes Tannin tun ihr übriges, um den Alkohol auszukontern. So bieten zumindest die besten Chianti Classico, ganz gleich ob Annata, Riserva oder Gran Selezione, selbst in den obersten Gewichtsklassen noch Leben, Schliff, Frische und echte Eleganz (ein Begriff, der heute leider viel zu oft missbraucht wird, um selbst den plumpsten Alkoholmonstern den Anschein von Trinkbarkeit zu verleihen).

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