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Der Weinjahrgang 2012 ist der erste, für den die “Europäische Durchführungsverordnung zur ökologischen Weinbereitung” (203/2012), kurz EU-Ökowein-Verordnung gilt. Diese so genannte Kellerrichtlinie legt fest, wie ein Wein hergestellt sein muss, damit er als Ökowein vermarktet werden und das EU-Bio-Siegel tragen darf. Davor gab es nur gesetzliche Regelungen für biologischen Weinbau, nicht aber für die Weinproduktion nach ökologischen Kriterien. Wein aus Bioanbau durfte lediglich als “Wein aus ökologisch erzeugten Trauben” vermarktet werden, die Bezeichnung “Biowein” oder “Ökowein” war nicht zulässig und existierte rechtlich gar nicht. Was die Kellerrichtlinie genau besagt, ist in unserem Magazinartikel “Umsetzung der EU-Biowein-Verordnung” zusammengefasst.

Weine% die das EU-Bio-Siegel tragen% erfüllen die so genannte Kellerrichtlinie und dürfen offiziell "Ökowein" oder "Biowein" heißen. (Quelle: ec.europa.eu)
Nicht alle Biowinzer sind automatisch von der Ökowein-Verordnung betroffen. Sie ist nur dann relevant, wenn der betreffende Erzeuger seine Weine auch offiziell als Biowein bezeichnen und vermarkten will. Denn grundsätzlich ist jedem Weinproduzenten seine Wirtschaftsweise freigestellt: Er kann konventionell, naturnah, integriert, biologisch-organisch oder biologisch-dynamisch arbeiten und tut dies, sobald er die Grundsätze der entsprechenden Anbaumethode befolgt. Will er seine Arbeitsweise im Weinberg und/oder Weinkeller von einem Verband zertifizieren lassen, muss er dessen jeweilige Vorgaben erfüllen. Will er für seine Weine das EU-Bio-Siegel nutzen, muss er die EU-Kellerrichtlinie umsetzen. Dabei haben die meisten einschlägigen Verbände sogar striktere Anbau- und Herstellungsvorschriften, als die Verordnung fordert.

Verordnung, Zertfizierung und Philosophie

Thierry Julien, Präsident von SudVinBio, dem Biowein-Verband im Languedoc-Roussillon, schätzt die neue Richtlinie positiv ein: “Wir denken, dass die EU-Ökowein-Verordnung ein echter Fortschritt ist. Schließlich können wir jetzt von Biowein sprechen und nicht nur von ‘Wein aus ökologisch erzeugten Trauben’. Das war nicht einfach! Wie konnte man vorher den Konsumenten erklären, dass Winzer auch dann, wenn sich die Kennzeichnung nur auf den Traubenanbau bezog, dieselbe Sorgfalt und denselben Respekt gegenüber der Natur bei der Weinbereitung walten ließen? Für mich bringt die neue Verordnung Konsistenz und wird die Kommunikation von Erzeugern und Vermarktern von Biowein vereinfachen.”

Doch nicht jeder Erzeuger, der ökologisch oder biologisch-dynamisch arbeitet, lässt seine Weine auch zertifizieren. Das kann mehrere Gründe haben. Zum einen ist mit der Zertifizierung ein erheblicher organisatorischer, formeller und finanzieller Aufwand verbunden, denn im Regelfall muss der gesamte Betrieb auf ökologischen Land- bzw. Weinbau umgestellt werden. Dafür gibt es indessen öffentliche Fördermöglichkeiten. Zum anderen bedeutet die Zertifizierung, dass die Vorgaben unter allen Umständen strikt einzuhalten sind; Ausnahmen, etwa wegen besonders widriger Witterungsbedingungen, gibt es bei zertifizierten Betrieben nicht und kann es definitionsgemäß nicht geben. Insofern sind konsequenter Bioweinbau und insbesondere Biodynamie eine innere Überzeugung und integrale Lebenseinstellung.

Farbenfrohe Biodiversität im Weinberg: Reben und Mohn. (Quelle: Weingut A. Lageder)

Wechsel von konventionellem zu ökologischem Weinbau

Die Domaine Joseph Drouhin ist einer der größten Weinerzeuger im Burgund. Das Weingut bewirtschaftet rund 73 Hektar Rebfläche, etwa je zur Hälfte im Chablis und an der Côte d’Or. “Das entspricht mehr als 50 Appellationen, die über 150 Kilometer verteilt sind”, veranschaulicht Frédéric J. Drouhin, der den Betrieb heute führt. “Wir verarbeiten Trauben aus biologischem Anbau – zertifiziert von Ecocert –, aber unsere Weine selbst sind nicht biozertifiziert.” Inzwischen werden sie sogar nach biologisch-dynamischen Kriterien produziert.

Drouhin beschreibt ausführlich die Philosophie des Hauses und dessen Entwicklung zum naturnahen Anbau: “Die Entscheidung, vom konventionellen zum biologischen Weinbau zu wechseln, ging für uns eindeutig aus technischen Überlegungen hervor. Zu viele Unwägbarkeiten waren mit der Verwendung neuartiger Pflanzenschutzmittel verbunden.” Nach der Überzeugung Drouhins ist hier Skepsis angezeigt: Man könne nie genug auf Distanz zu chemischen Wirkstoffen gegen Pilze, Insekten und Pflanzen im Weinberg gehen, denn: “Wir waren davon überzeugt, dass wir riskieren würden, die Funktionsfähigkeit unserer Böden und unserer Rebstöcke und dadurch den Terroir-Ausdruck unserer Weine zu verändern, wenn wir diese alles durchdringenden, systemischen Produkte verwenden würden. Wir fürchteten die Umweltbelastungen und die Auswirkungen auf die Gesundheit unserer Winzer durch den Einsatz synthetischer Mittel.” Außerdem hatte man festgestellt, dass die Reben gegen einige Krankheiten resistent waren, für deren Bekämpfung die neuen Produkte oder höhere Dosen verwendet werden sollten. Das erschien widersprüchlich.

Drouhin ist seit vier Generationen ein Familienunternehmen: Frédéric J. Drouhin (2. von links) mit seinen Geschwistern Philippe (rechts)% Véronique (2. von rechts) und Laurent (links). (Quelle: Domaine J. Drouhin)

Qualitätseinbußen durch Chemie im Weinberg

“Darüber hinaus stellten wir – mit Hilfe der Erfahrung meines Vaters, der die Führung des Hauses 1957 übernommen hatte – fest, dass zwar die Reben im Laufe der Zeit ‘schöner’, die Weine aber weniger gut geworden waren”, erzählt Drouhin weiter. “Wir dachten, wir seien auf dem falschen Weg, und entschieden daher, zu ökologischen Behandlungsmethoden zurückzukehren und zu versuchen, gewissermaßen für natürliche Probleme natürliche Lösungen zu finden. Wir bemühen uns zu verstehen, wie die Pflanze sich verhält, wie sie sich entwickelt, und versuchen, sie anzuregen und dabei ihren Entwicklungsrhythmus (Wurzeln, Blätter, Blüte, Frucht) bestmöglich zu berücksichtigen und zu begleiten.” Zudem sei man bestrebt, den Einsatz von Spritzmitteln so weit wie möglich zu reduzieren, speziell Kupfer. “Wir verwenden heute durchschnittlich Kupfermengen, die deutlich unter den im Bioweinbau zulässigen Höchstwerten liegen”, so Drouhin. Nach acht Jahren habe man beschlossen, noch weiter zu gehen und auf der gesamten Fläche der Domaine biodynamischen Weinbau zu betreiben.

Dank biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise sind die Pflanzen gesund. (Quelle: Domaine J. Drouhin)
Mit der EU-Ökowein-Verordnung hat Drouhin nur “eine extrem begrenzte Erfahrung, da wir die Biozertifizierung unserer Weine nicht beantragt haben”. Dennoch kennt er die Richtlinie natürlich und hat eine klare Meinung dazu: “Es wäre wünschenswert gewesen, wenn eine internationale Abstimmung über die Prinzipien des biologischen Weinbaus stattgefunden hätte. Heute gibt es große Unterschiede in der Interpretation und den Normen zwischen den USA und Europa.” Für den Markt hält Drouhin die Abgrenzung zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Weinen für wichtiger als die Differenzierung zwischen Wein aus Biotrauben und Wein mit Bio-Siegel: “Schließlich darf man nicht vergessen, dass uns gegenüber der Konsument steht. Er soll Vergnügen daran haben, die Flasche zu trinken, die er gewählt hat, ob nun Wein aus ökologischem Traubenanbau oder Biowein, denn damit trägt er auch zum Schutz der Umwelt bei: der Natur, des Bodens und der Menschen.”

Konsequenz statt Kompromiss

Einen wirklichen Bezug zur EU-Ökowein-Verordnung hat auch Alois Lageder vom gleichnamigen Weingut in Südtirol nicht – wenngleich seine Weine das EU-Bio-Siegel tragen. Sein Betrieb erfüllt die Voraussetzungen gewissermaßen automatisch, weil er nach den deutlich strengeren Vorgaben des internationalen Demeter-Verbands arbeitet. 50 Hektar Rebfläche hat Lageder, und diese werden inzwischen alle biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Die EU-Kellerrichtlinie sei “ein erster Schritt, ein Kompromiss, der kleinste gemeinsame Nenner zwischen allen EU-Weinbaugebieten”, sagt der charismatische Winzer, und insofern müsse sie auch noch weiter entwickelt und strenger werden. Sie sei “wichtig und notwendig”, aber für den biologisch-dynamischen Weinbau sei sie nicht relevant. Auf seine Etiketten würde er am liebsten nur das Demeter-Logo und nicht das EU-Bio-Siegel drucken, um die Verbandsmarke zu stärken. Die Verwendung des europäischen Bio-Siegels ist bei Wein, der den Vorschriften der Kellerrichtlinie entspricht, zwar freiwillig, doch wenn der Wein explizit als biologischer oder ökologischer Wein bezeichnet wird, muss er zwingend auch mit dem Siegel gekennzeichnet sein.

Zertifiziert ist das Weingut Alois Lageder seit 2007, nachdem man vier Jahre zuvor mit biologisch-dynamischem Weinbau begonnen hatte. Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit sind wesentliche Grundsätze in der Philosophie des Betriebs, und diese Schlagworte sind keine hohlen Floskeln, auch wenn das Qualitätsbekenntnis mit vielen starken Begriffen aufwartet: “Im Sinne einer ganzheitlichen Unternehmensphilosophie bemühen wir uns, möglichst viele Elemente in unserer Arbeit zu berücksichtigen und ihre Zusammenhänge zu verstehen: die Kräfte und Rhythmen der Natur, Mensch und Kultur, Technik, Kosmos, Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Moderne. In diesem Sinne setzen wir auf biologisch-dynamische Landwirtschaft und eine schonende Verarbeitung in unserem Keller, der modernste High-Tech im Sinne der Natur nutzbar macht. Wir legen Wert auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise in allen Bereichen.”

Alois Lageder betreibt konsequent biologisch-dynamischen Weinbau. (Quelle: Weingut A. Lageder)

Biodynamie ist anthropologische Landwirtschaft

“Nachhaltigkeit bedeutet, die Ressourcen unseres Planeten zu schonen und in unserem Denken und Handeln auch die kommenden Generationen zu berücksichtigen, denen wir die Umwelt so hinterlassen sollten, wie sie uns übertragen wurde”, definiert Alois Lageder. Dafür bemühe er sich, “stets in Zusammenhängen, quer und interdisziplinär zu denken”. Der Mensch stehe im Mittelpunkt des anthroposophischen Weltbilds, das vom österreichischen Philosophen Rudolf Steiner in den 1920er Jahren begründet wurde, und werde darin in Beziehung zum Übersinnlichen gesetzt. “Das schließt Verantwortung für die Zukunft, Wertschätzung des Lebensraums und Respekt vor der Natur ein”, so Lageder. Die Natur sei aber nicht überall gleich, es gebe verschiedene Lagen und Böden, und insofern habe Nachhaltigkeit neben der sozialen Dimension unbedingt auch eine regionale Komponente.

Für Lageder ist Nachhaltigkeit ein Bestandteil der Ökologie – und nicht umgekehrt. Ökologischer Weinbau gehe über Ressourcenschonung hinaus, und “biologisch-dynamische Landwirtschaft ist die konsequenteste Form des natürlichen Arbeitens im Weinberg. Sie respektiert die Gesetze der Ganzheitlichkeit in der Natur und bringt die Rebe in ihr natürliches Gleichgewicht, setzt sie in Beziehung zu Erde und Kosmos.” Die Biodynamie betrachte die Erde im Sinne der anthroposophischen Lehre als “beseelten, lebendigen Organismus” und führe zu den “Ursprüngen des Lebens” zurück. “In diesem Sinne arbeiten wir im Einklang mit den Zyklen der Natur, des Mondes, der Sonne und der übrigen Planeten. So können wir kosmische und irdische Kräfte ausnutzen, um Humus im Boden aufzubauen, die Vitalität der Reben zu stärken, die Qualität der Trauben zu verbessern und so die wichtigsten Voraussetzungen für gute Weine zu schaffen”, sagt Lageder. “Von der Pflanzung der Rebe bis zum Zeitpunkt der Lese richtet sich die Arbeit im Weinberg nach den natürlichen Zeitabläufen.”

Einsaaten zwischen den Rebzeilen gehören zum biologisch-dynamischen Weinbau – so wird das Ökosystem Weinberg gestärkt. (Quelle: Weingut A. Lageder)

Naturnähe und Authentizität

In der Praxis bedeute biologisch-dynamische Bewirtschaftung den gänzlichen Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Herbizide und Kunstdünger, erklärt Lageder. “Stattdessen arbeiten wir daran, die Reben so widerstandsfähig zu machen, dass sie beim Auftreten von Pilzen oder Schädlingsbefall über ausreichende Abwehr- und Selbstheilungskräfte verfügen. Boden und Pflanze werden mit biologisch-dynamischen Präparaten und homöopathischen Tees behandelt, um die Widerstandskraft der Reben weiter zu stärken. Auf vielfältige Weise hilft der Winzer so den Weinstöcken, sich selbst zu helfen.” Doch nicht nur die Reben, sondern das gesamte Ökosystem im Weinberg profitiere von diesem Vorgehen. “Durch die Humuswirtschaft werden Bodengesundheit und -fruchtbarkeit verbessert, der Weinbergsboden ist besser in der Lage, Wasser zu halten, so dass eine künstliche Bewässerung ist nicht mehr notwendig ist, und er ist vor Erosion geschützt. Insgesamt wird die Artenvielfalt im ausgewogenen Ökosystem erhalten und gefördert.”

Nach Ansicht von Alois Lageder ist die Biodynamie auch der Weg, um den “authentischen Charakter der Weine bestmöglich zum Ausdruck zu bringen. Es ist uns ein großes Anliegen, die natürlichen Gegebenheiten in unseren Weinbergen zu berücksichtigen und optimal auszuschöpfen. Durch die biologisch-dynamische Anbauweise wird die Individualität jeder einzelnen Lage unterstrichen – und die Qualität gesteigert. Unsere Weine sind eng verwurzelt mit der Landschaft, in der sie entstehen, und wir verwenden viel Sorgfalt darauf, die Eigenschaften und Vorzüge einer Lage so gut wie möglich zu nutzen.”

In den Weingärten von Alois Lageder weiden auch Schafe. (Quelle: Weingut A. Lageder)

Schwerkraft und Kreis bestimmen die Weinbereitung

1995 hat Lageder eine neue Kellerei errichtet, die nachhaltigen, ökologischen und baubiologischen Kriterien entspricht. Ein alternatives Energiekonzept ermöglicht die vollständige Vermeidung von CO2-Emissionen. “Unser oberstes Ziel beim Keltern ist es, das volle Qualitätspotenzial, das im Weinberg geschaffen worden ist, durch Sorgfalt und Umsicht im Keller zu erhalten und in den Weinen umzusetzen. Die Trauben werden so naturnah wie nur möglich gekeltert. Der Einklang von Mensch und Natur, in Synergie mit den Naturkräften, ist uns wichtig, und modernste technische Hilfsmittel und Computertechnik unterstützen uns darin, die Qualität in reinster Form zu erhalten”, erläutert Lageder.

Der 17 Meter tiefe% runde Kelterturm folgt den Prinzipien von Kreis und Schwerkraft. (Quelle: Weingut A. Lageder)
Für eine möglichst schonende Behandlung des Leseguts, des Mosts und des Weins werde auf zwei Grundprinzipien der Natur zurückgegriffen: die Schwerkraft und den Kreis. Beide Prinzipien vereint der runde, 17 Meter tiefe Kelterturm, der das Herzstück der Anlage bildet. Lageder: “Durch den Höhenunterschied können die Trauben weitestgehend ohne den Einsatz von Pumpen oder anderen mechanischen Beförderungsmitteln gekeltert werden; sozusagen im freien Fall. So wird eine schonende und qualitätserhaltende Arbeitsweise in jedem Stadium der Weinbereitung gewährleistet. Die Gärbehälter wiederum sind in einem Kreis um den Punkt herum angeordnet, an dem die Trauben nach unten gleiten. Durch das Vermeiden langer Förderwege gelingt es, das Lesegut, den Most und den Wein schonend von einer Phase der Weinbereitung zur nächsten zu bringen.” Dieses ökonomische Vorgehen spiegelt auch Lageders Credo wider: “Je weniger und je später man in die natürlichen Prozesse eingreift, je mehr man dem Wein seine Ruhe lässt, desto besser.”

Standards weiterentwickeln

Die Richtlinien des internationalen Demeter-Verbands sind für Lageder deshalb der Maßstab in seinem Weingut, weil “Demeter die älteste und international am weitesten verbreitete Biozertifizierung ist und sie den Grundsätzen von Rudolf Steiner folgt”. Tatsächlich wird das Demeter-Logo für ökologischen und biologisch-dynamischen Landbau bereits seit 1928 verwendet und darf nur von zertifizierten Erzeugern genutzt werden, die sich während des gesamten Anbau- und Verarbeitungsprozesses an die strikten Bestimmungen halten, was auch schon seit Bestehen des Verbands überprüft wird. Die Auflagen der europäischen Öko-Verordnungen für Wein und andere Agrarprodukte sind weniger anspruchsvoll als die internen Verbandsrichtlinien, daher sind Demeter-Weine immer auch Ökoweine im Sinne der Kellerrichtlinie – auch dann, wenn sie das EU-Bio-Siegel nicht tragen und daher nicht offiziell so bezeichnet sind.

Lageder sind die Weiterentwicklung des Verbands und die Vereinheitlichung von Qualitätsrichtlinien wichtig: “Momentan gehen unterschiedliche Vereinigungen für ökologische und biologisch-dynamische Landwirtschaft in dieselbe Richtung, und das ist auch gut so. Wünschenswert wäre jedoch ein übergeordnetes Organ, das die Grundlagen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft festlegt und überwacht.” Erst kürzlich habe die Weingruppe von Demeter in Italien unter seiner Mitwirkung die Standards für die Vinifizierung überarbeitet, “weil die internationalen Vorgaben nicht streng genug sind”. Lageder macht sich für die Gemeinsamkeit stark: “Die Erzeuger müssen ihr Bekenntnis zu biologischem oder biologisch-dynamischem Anbau hinaustragen, dann können wir viel erreichen. Der allgemeine Konsument ist noch nicht so weit, dass er einen Wein wegen seiner Zertifizierung als biologisch oder biologisch-dynamisch kauft”, auch wenn das Interesse an Ökologie und Nachhaltigkeit kontinuierlich gewachsen ist und weiter wächst. Insofern bleibt noch viel Aufklärungs- und Marketingarbeit: aufmerksam machen, sensibilisieren, überzeugen.

Auch Geothermik ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit im Weinkeller. (Quelle: Weingut A. Lageder)

Alois Lageder selbst hat der ganzheitliche Ansatz, den er praktiziert, viel Positives gegeben. “Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist die größte Bereicherung, die ich in meinem Leben erfahren habe”, formuliert er bedächtig. Er nehme die Natur viel offener wahr und wolle verstehen, “was die Pflanze braucht”; er lerne, “die Gesetze der Natur zu erkennen und anzuwenden und Zusammenhänge zu begreifen. Das ist etwas Schönes und Faszinierendes.” Und ganz ruhig, sehr freundlich, mit eindringlicher Ernsthaftigkeit und über jeden Zweifel erhaben resümiert er: “Die Welt ist Geheimnis. Ich habe heute das Gefühl, dass ich ein bisschen mehr von diesem Geheimnis verstanden habe.”

Das Weingut Alois Lageder im Weinführer

Das Weingut Joseph Drouhin im Weinführer

Zum Artikel "Ökowein in Europa - Teil 1: Pays d'Oc will nachhaltigen Weinbau voranbringen"

Zum Artikel "Ökowein in Europa - Teil 3: Über die Grenzen hinaus"

Zum Artikel "Ökowein in Europa - Teil 4: Die Schleusen sind offen"

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