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Der italienische Winzer Emidio Pepe ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Weinwelt einen ihrer eigenwilligsten und einflussreichsten Pioniere. Pepe machte seinen Heimatort Torano Nuovo in den Abruzzen zu einer Pilgerstätte für Weinfreunde – und zeigte, welches Potenzial in Montepulciano und Trebbiano d’Abruzzo steckt.
1964 füllte er erstmals Wein unter seinem eigenen Namen ab. Zu einer Zeit, als Montepulciano häufig als rustikaler Verschnittwein galt und dem Trebbiano kaum großes Reifepotenzial zugetraut wurde, setzte Pepe auf Geduld. Er lagerte einen beträchtlichen Teil seiner Produktion ein und bewies über Jahrzehnte, dass beide Sorten große, langlebige Weine hervorbringen können. Heute umfasst das Flaschenarchiv des Weinguts mehr als 350.000 Flaschen.
Auch im Weinberg und Keller ging Pepe früh eigene Wege. Chemisch-synthetische Mittel lehnte er ab, die Trauben wurden mit den Füßen gepresst, der Montepulciano von Hand entrappt. Auf Filtration und Schönung verzichtete er, für den Ausbau nutzte er Zementbehälter. Was lange als altmodisch galt, machte ihn später zu einem Vorbild für naturnah arbeitende Winzer. Moden oder Etiketten interessierten ihn dabei wenig: Entscheidend waren für ihn lebendige Böden, handwerkliche Arbeit und die unverfälschte Herkunft der Weine.
Pepe gab dem Weinbau der Abruzzen neues Selbstbewusstsein und trug entscheidend dazu bei, die Region international bekannt zu machen. Das Familienweingut wird seit Jahren von seinen Töchtern Sofia und Daniela sowie den Enkelinnen Chiara und Elisa weitergeführt.
(ru – Bild: Consorzio Tutela Vini d'Abruzzo)