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Die von der Weinbranche heftig diskutierte „Politische Erklärung zu nichtübertragbaren Krankheiten“ der Vereinten Nationen (UN) enthält im vor wenigen Tagen veröffentlichten Text eine neu formulierte Einordnung der Gesundheitsgefahr von Alkohol: die Unterscheidung zwischen moderatem Konsum und schädlichem Missbrauch. Auch die von vielen Politikern geforderten Steuererhöhungen auf Wein und Spirituosen sowie Empfehlungen zur Einschränkung seiner Verfügbarkeit sind darin auf unverbindliche Vorschläge reduziert worden. Im ersten Entwurf der Erklärung waren diese Passagen deutlich schärfer und restriktiver formuliert. Die formelle Annahme durch die Mitglieder der UN-Vollversammlung wird in Kürze erwartet.
Die Unione Italiana Vini (UIV) begrüßte die Erklärung ausdrücklich. UIV-Präsident Lamberto Frescobaldi betonte, dass die Rückkehr zur Unterscheidung zwischen moderatem Konsum und Missbrauch ein wichtiger Schritt sei,"um die Kultur des bewussten Weintrinkens zu schützen". Auch der europäische Weinindustrieverband CEEV befürwortet den Text. Die Erklärung mache "evidenzbasierte Strategien" möglich, die sich auf die Reduzierung des schädlichen Konsums konzentrieren sollen, ohne moderaten, verantwortungsvollen Konsum zu bestrafen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält aber weiter an der Linie fest, dass es kein sicheres Konsumniveau für Alkohol gebe. Diese Haltung ist jedoch auf erheblichen Widerstand der internationalen Weinbranche und Getränkeindustrie sowie vieler renommierter Wissenschaftler gestoßen. Verbände und Branchenvertreter haben in den vergangenen Monaten versucht, die verbindlich formulierten WHO-Empfehlungen in der neuen UN-Gesundheitserklärung abzuschwächen. Die WHO sprach von „intensiver Lobbyarbeit“. Die International Alliance for Responsible Drinking (IARD) erklärte dagegen, die Branche wolle die „Kontrolle über die Alkoholdiskussion zurückgewinnen“.
Neben Alkohol enthält die Erklärung verbindliche Ziele zur Bekämpfung chronischer Krankheiten und zur Verbesserung des Zugangs zu Medikamenten. Sie soll die Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Todesfälle durch die vier Hauptursachen nichtübertragbarer Krankheiten – Tabakkonsum, ungesunde Ernährung, schädlicher Alkoholkonsum und Bewegungsmangel – bis 2030 um ein Drittel zu reduzieren.
(ru)
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