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Dr. Simon Feldhaus
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"Zeit miteinander zu verbringen, zu essen, Wein zu trinken und Geschichten auszutauschen hat mir in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet. Deshalb habe ich nicht vor, damit aufzuhören.“ Das schreibt der in der Schweiz praktiziende deutsche Krebs- und Ernährungsmediziner Dr. Simon Feldhaus in einem Artikel in der britischen Tageszeitung The Telegraph. Die Beziehung des Menschen zu Alkohol sei viel nuancierter als die aktuelle, von Angst geprägte Darstellung. „Ein Glas Wein, das man ängstlich und zur Selbstmedikation trinkt, hat eine ganz andere physiologische Wirkung als dasselbe Glas Wein, das man mit Freunden beim Essen zu sich nimmt. Der Kontext verändert die Biologie.“

Feldhaus wirft der modernen Medizin vor, oft mit Ängsten zu arbeiten, beispielsweise vor bestimmten Lebensmitteln. Seine jahrzehntelange medizinische Erfahrung habe ihn jedoch gelehrt, dass von allen Emotionen Angst die giftigste für den Körper sei. „Wäre Alkohol so schädlich wie behauptet, müsste Frankreich ein Land mit besonders niedriger Lebenserwartung sein – ist es aber nicht. Das liegt wohl an der gesünderen Trinkkultur. In Frankreich wird Wein meist mit Essen kombiniert und bewusst genossen.“ Daher plädiert Feldhaus für „Genuss mit Grenzen".

Alkohol gehöre nicht zu den Substanzen, die die Leber am stärksten belasten, schreibt Feldhaus. Viele oft verschriebene Medikamente wie Blutdrucksenker, Blutverdünner und Schlafmittel könnten die Leber mehr beanspruchen als moderater Weinkonsum. Außerdem sei Alkohol dem Körper nicht fremd. Auch bei der Verdauung von frischem Obst oder Obstsäften produzieren unsere Darmbakterien kleine Mengen Alkohol. Entscheidend sei die Dosis, aber das gelte für alle Substanzen: „Acht Liter Wasser können tödlich sein, und selbst Sauerstoff wird in falscher Konzentration giftig. Fast nichts in der Natur ist in unbegrenzten Mengen harmlos.“  

(al – Bild: Dr. Simon Feldhaus)

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