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Souen Fontaine, Inrap
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Forscher des französischen Instituts für präventive Archäologie (INRAP) haben bei einer groß angelegten Ausgrabung im Norden Marseilles Belege gefunden, dass der Wein erstmals durch griechische Siedler nach Gallien gelangte. Bei den Untersuchungen im Frühjahr entdeckten sie Hinweise auf das bislang älteste bekannte Weinbau-Areal Frankreichs. Es wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. von Kolonisten aus dem ionischen Raum angelegt. Diese Siedler stammten aus Phokaia, einer antiken griechischen Stadt an der Westküste Kleinasiens, in der heutigen Türkei.

INRAP-Archäologe Axel Cauvin berichtet von einer überraschend dichten und über vier Jahrhunderte nachweisbaren Nutzung der Weinberge, die zwischen dem 5. und 2. Jahrhundert v. Chr. bestanden. Die Funde stützen die Annahme, dass die Griechen den Weinbau in der Region im heutigen Frankreich einführten. Die Bepflanzung erfolgte demnach bereits um die Zeit der Gründung Massalias (Marseille) um 600 v. Chr. und zeigt typische parallele Reihungen mit einem Abstand von rund 1,2 Metern.

Der in Massalia erzeugte Wein verbreitete sich über weite Teile des antiken Galliens. Die gallischen Gemeinschaften übernahmen zwar nicht alle griechischen Lebensgewohnheiten, tranken aber Wein und handelten damit. Bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. verfügte Massalia laut Cauvin über eine nahezu monopolartige Stellung im gallischen Weinhandel. Charakteristische, teils gestempelte Amphoren aus Marseille wurden in Regionen wie Burgund und sogar in der Heuneburg im heutigen Baden-Württemberg gefunden.

Im Lauf der Zeit änderte sich die Situation: Italienische Weine, vor allem aus Kampanien, gewannen nördlich der Alpen an Bedeutung, und mit dem Vordringen der Römer verbreitete sich der Weinbau über das gesamte antike Frankreich.

Der örtliche Winzer und Weinbauexperte Guillaume Jesberger plant, die antiken griechischen Rebsorten anzubauen und historische Methoden zu erproben. Er erwägt den Aufbau eines Museums, das die Entwicklung des Weinbaus in der Provence seit der Antike erfahrbar macht.

Die jüngsten Ausgrabungen und weitere Aspekte phokäischer Einflüsse auf den Weinbau in Südfrankreich stehen demnächst im Mittelpunkt einer großen INRAP-Fachrunde an der Universität Montpellier.

(ru – Bild: Souen Fontaine, Inrap)

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