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Der Ernährungswissenschaftler Prof. Nicolai Worm von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken hat bei einem Online-Seminar der Deutschen Weinakademie zum Thema Wein und Krebs hat auf die Mängel in wissenschaftlichen Studien hingewiesen, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem World Cancer Research Fund International (WCRF) und anderen öffentlichen Gesundheits-Institutionen veröffentlicht wurden. Sie begründen die These, jedes Maß an Alkoholkonsum stelle ein Gesundheitsrisiko dar. Die Organisationen würden "Daten ignorieren, die ihrer Agenda widersprechen“. Er betonte, es gebe „zahlreiche, glaubwürdige wissenschaftliche Studien“, die zeigen, dass "leichter bis mäßiger Weinkonsum zu den Mahlzeiten das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und der Gesamtsterblichkeit reduziert".

Worm betonte, es gäbe ein Problem bei Studien zum Alkoholkonsum: "Die Teilnehmer geben an, weniger zu trinken, als sie es tatsächlich tun. Das macht die Daten unzuverlässig.“ Studienteilnehmer, die zwei bis drei Gläser Wein pro Tag trinken, würden darin sehr häufig angeben, täglich nur ein bis zwei Gläser zu konsumieren. Das tatsächliche Risiko, gesundheitliche Probleme aufgrund von Alkohol zu entwickeln, liege aufgrund der häufigen Untertreibung daher auf einem niedrigeren Niveau. Für Worm ist daher die Untererfassung der Mengen ein großes Problem, wenn es um die Bewertung von Alkohol und Krebsrisiko geht.

So sei eine große Studie aus dem Jahr 2014 mit mehr als 120.000 Personen mit dem Titel "Moderate alcohol intake and cancer: the role of underreporting" zum Schluss gekommen: Das scheinbar erhöhte Krebsrisiko bei leichtem bis mittelschwerem Alkoholkonsum könnte auf das Herunterrechnen des Konsums (der Teilnehmer) zurückzuführen sein.

Das andere große Problem vieler Studien seien die Störfaktoren, die das Ergebnis beeinflussen könnten. Damit eine Studie zum Thema zuverlässig sei, erklärte Prof. Worm, müsse sie Faktoren wie Alter, Geschlecht, Fettleibigkeit, Schlaf, Bewegung, Bildung, Einkommen, soziale Schicht, Sonneneinstrahlung und unzählige andere Faktoren, einschließlich des Trinkverhaltens sowie Ernährungsfaktoren, berücksichtigen. Das werde oft nicht ausreichend einbezogen.

Zudem wies Nicolai Worm darauf hin, ein besonders einflussreicher Faktor für den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebs sei die Intensität der körperlichen Betätigung. Die Ergebnisse einer britischen Studie von 2016 mit mehr als 36.000 Männern und Frauen über 40 Jahren belegten deutlich, dass das Krebsrisiko für Studienteilnehmer mit aktivem Lebensstil "überhaupt nicht steigt" - selbst bei denjenigen nicht, die auf einem "gefährlichen Niveau" tranken. Diese Studie komme zum Ergebnis, dass die Einhaltung der aktuellen Empfehlungen zur körperlichen Betätigung einen Teil des mit dem Alkoholkonsum verbundenen Krebs- und Gesamtmortalitätsrisikos ausgleicht.

Prof. Nicolai Worm arbeitet seit vielen Jahren auch für das Deutsche Weininstitut (DWI) und die Deutsche Weinkademie.
 

(uka / Foto: Deutsches Weininstitut)

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