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Das französische Weingut Chapoutier***** hat in einem aufgelassenen Weinberg im Rhônetal 2.000 Agaven gepflanzt. Grund ist der Klimawandel mit immer trockeneren Sommern und intensiveren Hitzewellen. Bisher produzierte Chapoutier auf der Parzelle der Domaine Roc Folassière im Departement Gard einen Côtes-du-Rhône Villages. Wie Betriebsleiter Carel Aubineau dem Magazin La Revue du Vin de France sagte, sei das Terroir zwar hochwertig, aber für Weinbau nicht mehr geeignet: Es sei zu karg und der Boden könne kaum mehr Wasser speichern. Daher seien die Erträge mit rund 20 Hektolitern pro Hektar zu gering. Außerdem erreichten die Weine zu hohe Alkoholgehalte mit 14 oder 15 Vol.-%.
Die von Michel Chapoutiers Sohn Maxime initiierte Aktion ist laut Aubineau die „wahrscheinlich erste Agavenpflanzung in Frankreich“. Der Umstieg erforderte eine Investition von rund 12.000 Euro pro Hektar ohne Bewässerung. Die Rebfläche der Domaine Roc Folassière ist in den vergangenen Jahren von 35 auf 21 Hektar geschrumpft. Im gesamten Departement Gard wurden im Frühjahr 2025 fast 4.000 Hektar Reben gerodet, was zehn Prozent der Gesamtfläche entspricht.
Die verwendete Sorte Agave Americana gehört zu den rund 30 Sorten, aus denen in Mexico Mezcal hergestellt wird. Ziel der Familie Chapoutier ist es, jedes Jahr einen weiteren Hektar Agaven auszupflanzen, bis die Gesamtfläche in Gard und auf der Domaine Bila-Haut in den Pyrénées-Orientales zehn Hektar beträgt. Aubineau erklärt, dass sie auch „Oliven-, Granatapfel- oder Pistazienbäume hätten pflanzen können, aber mit der Agave bleiben wir in unserem Kernmarkt“. Während die Blätter für die Produktion von Kosmetika oder Textilien verwendet werden, könne man aus dem Agavenherz zwei bis fünf Liter reinen Alkohol destillieren. Dieser dürfe nicht die geschützten Herkunftsangaben Tequila oder Mezcal tragen. Aber da es etwa zehn Jahre dauert, bevor die Agaven reif und verwertbar sind, habe man noch etwas Zeit für die Namensfindung: „Vielleicht wird er Chapoutila heißen.“
(al)