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Cokie Ponikvar erreicht mit „Cokie’s World of Wine“ über 500.000 Menschen, ihre Videos erzeugen millionenfache Abrufe. Die 25-jährige Kanadierin erklärt, was junge Menschen heute über Wein wissen wollen.

Alexander Lupersböck
Weinakademiker, Autor und Referent mit Vorliebe für elegante Weine

Die Kanadierin Cokie Ponikvar ist eine der erfolgreichsten Wein-Influencerinnen weltweit. Mit ihrem 2020 gegründeten Instagram-Kanal „Cokies World of Wine“ erreicht die Advanced Sommelière fast 500.000 Follower. In kurzen Videos erklärt sie die Welt des Weins in einfachen Worten. Damit spricht sie vor allem jüngere Zielgruppen an. Ihre Videos erzielen immer wieder Millionen Aufrufe. Für ihren dynamischen Stil in der Weinvermittlung wurde sie 2025 mit dem IWSC Emerging Talent Award in Wine Communications ausgezeichnet. Mit ihrer Mischung aus Reichweite, Fachkompetenz und Anerkennung gilt sie als Ausnahmeerscheinung in der Weinszene.

Cokiesworldofwine

Was hat deine Leidenschaft für Wein geweckt?

Cokie Ponikvar: Mit 17 habe ich vom Master-Sommelier-Programm erfahren. Mir war vorher gar nicht klar, dass man Wein auf so einem akademisch hohen Niveau studieren kann. Das war für mich eine große Entdeckung: ein Thema, in das ich tief eintauchen und damit anderen Menschen einen Mehrwert bieten kann. Ich musste aber zwei Jahre warten, bis ich alt genug für die Kurse war, und habe danach mit dem Studium begonnen. Vor Kurzem habe ich die Prüfung zum Advanced Sommelier bestanden.

Was fasziniert dich beim Wein am meisten?

Cokie Ponikvar: Am meisten inspiriert mich die Leidenschaft großer Winzer. Wenn man Menschen trifft, die zu den Besten ihres Fachs gehören, spürt man sofort ihre Klarheit, Konzentration und Begeisterung. Diese Energie überträgt sich. Solche Begegnungen sind unglaublich bereichernd, weit über den Wein hinaus.

Die Menschen hinter den Weinen sind oft das Interessanteste?

Cokie Ponikvar: Absolut. Ich denke beim Trinken oft zuerst an die Menschen, die ich dabei kennengelernt habe. Wein bringt Menschen auf eine einzigartige Weise zusammen, er ist ein sozialer Katalysator. In Europa ist das selbstverständlich. In Nordamerika ist der Umgang mit Alkohol extremer: Entweder man trinkt, oder man trinkt gar nicht. Dort wird Wein oft mit ungesunden Gewohnheiten gleichgesetzt. In Europa ist er Teil der Kultur und des sozialen Miteinanders.

Wein ist ein sozialer Katalysator

Deine Videos erreichen vor allem junge Menschen. Manche haben viele Millionen Abrufe. War das dein Ziel?

Cokie Ponikvar: Nein. Ich habe ursprünglich Videos für meine Eltern und ihre Freunde gemacht, um sie an meinem Studium teilhaben zu lassen. Ich versuche, Dinge schnell und einfach zu erklären. Wenn ich Fachjargon verwende, dann erkläre ich das auch kurz. Wenn ich einen Wein als „trocken“ beschreibe, dann füge ich hinzu: „Das heißt, er ist nicht süß.“ Ich setze nicht voraus, dass irgendjemand diese Ausdrücke kennt. Das spricht vor allem Jüngere an – sie verbringen einfach mehr Zeit auf Instagram. Ein Beispiel: In einem Monat hatte ich elf Millionen Aufrufe, 90 Prozent davon von unter 35-jährigen. Für die Weinbranche ist das ungewöhnlich.

Wie verdienst du damit Geld?

Cokie Ponikvar: Anfangs habe ich fast keine Werbung gemacht. Mittlerweile akzeptiere ich Partnerschaften, einfach weil es notwendig ist, um meine Arbeit weiterzuführen. Meine Community unterstützt das auch – sie wollen, dass ich weitermache.

Du bezeichnest Wein als Kunstform. Sollte man ihn entmystifizieren oder geheimnisvoll lassen?

Cokie Ponikvar: Die größten Weine der Welt sind mehr als ein Getränk. Sie sind komplexe Kunstwerke, die Respekt und Konzentration verlangen. Wenn wir alleine die Erfahrung, an solchen Weinen zu riechen, mehr jungen Leuten bieten könnten, würden sie besser verstehen, was so faszinierend daran ist. Zugleich gibt es Weine aus Massenproduktion, die nichts mit Kunst zu tun haben. Beides gehört zur Weinwelt. Ich finde es interessant, dass diese Extreme offiziell kaum unterschieden werden, obwohl sie völlig verschieden sind.

Die Weinbranche kämpft gerade um Verkäufe, vor allem bei Rotweinen. Wo siehst du mögliche Strategien, Trends, kommende Regionen oder Länder?

Cokie Ponikvar: Ich fürchte, dass wir derzeit keine echte Lösung haben. Das Geschäft mit Fine Wine läuft ja trotzdem ganz gut. Also: Produziert weniger, dafür besseren Wein! Die Menschen wollen weniger trinken, dafür Gutes.

Cokiesworldofwine

Das ist alles?

Cokie Ponikvar: Es ist schon Raum für neue Weine. Ich sehe aber keine spezifischen Regionen, die im Kommen sind. Die Menschen suchen individuelle Weine, die sie bezahlen können. Für einen wirklich komplexen, faszinierenden Wein ist noch immer Platz im Handel. Die Weingüter müssen sich darauf fokussieren, ein gutes Produkt zu machen. Man darf nicht zuerst nachdenken, wem man es verkaufen könnte. Mit dem Internet kann man über Nacht berühmt werden. Aber man muss diese Kanäle auch nutzen. Wein zu machen hat nichts mit Trends zu tun.

Siehst du Verbesserungspotenzial bei der Kommunikation von Weingütern und Verbänden?

Cokie Ponikvar: Klar! Wir alle können da noch viel besser werden. Es wird immer wichtiger, auf Augenhöhe mit den Konsumenten zu kommunizieren. Ich versuche, Wein unkompliziert und zugänglich zu vermitteln. Er soll vorstellbar und real werden.

Welche Rolle werden die sozialen Medien in der Weinwelt der Zukunft spielen?

Cokie Ponikvar: Sie werden immer wichtiger. Menschen verbringen täglich Stunden auf diesen Plattformen, also muss Wein dort präsent sein. Viele in der Branche klagen, dass weniger Wein getrunken wird. Ich denke: Statt zu jammern, sollte man sich ein Beispiel an den Besten nehmen, innovativ sein und neue Standards setzen. Social Media bieten die Chance, in kurzer Zeit enorme Reichweite zu gewinnen. Ein Winzer mit einem guten Video-Tagebuch könnte heute problemlos eine Million Follower haben – und damit enorme Verkaufskraft entwickeln.

Ich setze nicht voraus, dass jemand Fachjargon kennt

Welche Weine trinkst du privat am liebsten?

Cokie Ponikvar: Ich mag leichte Weißweine oder sehr leichte Rote mit maximal 13,5 Volumenprozent. Aber vor allem liebe ich spannende, strukturierte Weine.

Wie wichtig ist für dich die Kombination von Wein und Essen?

Cokie Ponikvar: Für den Genuss ist sie wichtig, auch wenn ich persönlich Wein eher akademisch betrachte. Auf Reisen hatte ich aber schon viele außergewöhnliche Food-Pairings, die mir gezeigt haben, welche Kraft diese Verbindung hat.

Wie stehst du zu entalkoholisiertem Wein?

Cokie Ponikvar: Das ist ein spannendes Feld. Ich sehe Potenzial, weil es viele Menschen gibt, die keinen Alkohol trinken dürfen, aber trotzdem Teil der Weinkultur sein wollen. Allerdings haben mich entalkoholisierte Weine geschmacklich bisher selten überzeugt – Textur und Aromen leiden stark. Besser finde ich, wenn Winzer kreative alkoholfreie Produkte entwickeln, die von der Traube inspiriert sind.

In der Weinszene gibt es viele selbsternannte Experten und Besserwisser. Hast du schon jemals negative oder beleidigende Reaktionen erfahren?

Cokie Ponikvar: Ja. Auch persönlich bei Veranstaltungen. Da ich noch sehr jung bin, spüre ich, wie skeptisch mich manche ansehen. Wenn sie bemerken, dass ich mich auskenne und was ich mache, werden sie plötzlich freundlich und fragen mich: Wie kann ich junge Menschen erreichen? Da denke ich: Sei freundlicher und respektvoller, als du es eben zu mir warst. Nimm jeden ernst. In Restaurants kann es unangenehm sein, wenn ich einen Wein beanstande. Manche Sommeliers leugnen das Problem, weil sie mich nicht ernst nehmen. Kein Wunder, dass sich viele – nicht nur junge – Leute gar nicht trauen, Wein auf Veranstaltungen zu verkosten oder im Restaurant zu bestellen. Diese Menschen möchte ich mit meinen Videos erreichen und ihnen Selbstvertrauen geben. Viele meiner Follower unterstützen mich bei unqualifizierten, negativen Kommentaren im Netz. Das gibt mir Sicherheit.

Du bereitest dich gleichzeitig auf die Kurse zum Master Sommelier und den Master of Wine vor. Das sind die schwierigsten Prüfungen in der Weinszene. Warum beides?

Cokie Ponikvar: Ich habe immer die schwierigsten Prüfungen gemacht, an denen ich teilnehmen durfte, denn ich bin ein sehr fokussierter und leidenschaftlicher Mensch. Jetzt laufen beide Wege parallel. Die Inhalte sind allerdings sehr verschieden. Sie ergänzen sich teilweise, aber ich muss klar trennen, wie ich für was lerne.

Wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren?

Cokie Ponikvar: Ich weiß es nicht. Jedenfalls möchte ich Menschen mit dem, was ich mache, einen Mehrwert bieten. Sie sollen von meiner Arbeit profitieren, indem sie Selbstvertrauen aufbauen, Fragen beantwortet bekommen oder ihre Weine besser verkaufen. Ich hatte noch nie einen Plan. Es hat sich eines aus dem anderen ergeben. Das Social-Media-Ding ist mir in den Schoß gefallen. Aber es soll und wird sich weiterentwickeln.

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