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Korkenzieher funktionieren immer gleich: Man dreht eine Metallspindel in die Flasche und zieht dran. Doch es gibt erstaunliche Varianten – und die sind vor allem für Härtefälle geeignet. Matthias Stelzig hat sie getestet.

Matthias Stelzig
Freier Journalist, Autor und Insider zu allen Aspekten des Weins

Der Moment, in dem der Korken leise nachgibt, ist mehr als reine Technik – er ist ein Versprechen auf den kommenden Genuss. Doch wenn der Öffner versagt, ist es gebrochen. Alte Korken werden weich und zerfallen. Andere kleben im Flaschenhals und man muss sich bizarr verbiegen, um endlich an den Wein zu kommen. Viele Weinfans nervt schon das fummelige Eindrehen. Es ist also Zeit, sich Gedanken über eine Alternative zur inzwischen rund 200 Jahre alten Helix zu machen. Längst gibt es Öffner, die es anders machen. Wir haben sie getestet, um zu sehen, welche Modelle überzeugen – und welche besser in der Schublade bleiben.

Das ist mit gereiften Weinen aber gar nicht einfach. Vor allem, weil der hier übliche Versuchsaufbau nicht möglich war, bei dem jeder Kandidat unter denselben Bedingungen antritt. Keine alte Flasche und kein alter Korken ist wie der andere. Daher kam jeder getestete Korkenzieher 20- bis 25-mal bei einem alten Jahrgang zum Einsatz. Mal war der Korken relativ intakt, oft waren es Grenzfälle. In solchen Situationen kristallisiert sich heraus, was funktioniert – und was nicht.

 
 

Tony Askitis Special Pulltex

www.asktoni.de

Tony Askitis Special Pulltex

Alte Korken verlieren nicht nur an Festigkeit, sondern auch an Masse. Der Düsseldorfer Gastronom und Wein-Influencer Toni Askitis hat dafür eine ziemlich einfache Lösung entwickelt. Die Idee: Dreht man eine zweite Spindel in den Korken, baut sich mehr Druck im Flaschenhals auf. Zudem findet der Korkenzieher besseren Halt. Die Technik ist simpel: Als erstes dreht man die lose Spindel, die an der Hebel-Spitze eines Kellnermessers hängt, mit dem mitgelieferten Hebel in die Flasche. Dann kommt die des Kellnermessers hinterher. Das Heraushebeln beider Spindeln klappt erstaunlich gut: Sogar brüchige Korken kommen damit heil aus der Flasche.

Auf Katastrophenschauplätzen im Flaschenhals ist aber auch seine Technik machtlos: Ist der Korken zu weich geworden, drehen die Spindeln durch. Wie bei anderen Korkenziehern auch. Damit die Kleinteile nicht verloren gehen, hängen sie an einem kleinen Karabinerhaken. So bleiben sie zusammen – und das alles für wenig Geld.

Preis: 16,00 €

Wer braucht das?

Ein handlicher Helfer für Notfälle, den man als Weinfreak immer in der Schublade oder in der Tasche haben sollte.

 

Le Bilame

www.atelierduvin.com

Le Bilame

Der Bilame gehört zu den Alltagsgegenständen, die jeder Weinfan schon mal gesehen hat. Seit 1949 ist er für die schweren Fälle zuständig. Ist ein alter Korken erst im Zerfall begriffen und die Spindel hat keine Chance mehr, kommt die „Hebamme“ ins Spiel. Die zwei unterschiedlich langen Klingen werden vorsichtig zwischen Flaschenhals und Korken eingeführt, bis sie den Verschluss wie eine Art Zange umklammern. Danach dreht man vorsichtig ohne großen Kraftaufwand. Nach innen gewandte Grate an den Zungen nehmen den altersschwachen Korken mit und schieben ihn hoffentlich aus der Flasche. Der große Vorteil ist, dass die „Hebamme” den Korken nicht verletzt. Er kann nicht brechen, höchstens in die Flasche fallen, wenn er schon so stark geschrumpft ist, dass er keinen Halt mehr findet. Dann wird es nichts mit der Zangengeburt.

Das Pariser „Atelier du Vin“, das sich seit 100 Jahren für den Erhalt des französischen Industrie-Designs zuständig sieht, hat den Bilame in mehreren Versionen als Luxusobjekt inszeniert. Mit handgenähtem Lederetui aus Italien ist er in verchromtem Edelstahl zu haben, stylisch schwarz lackiert oder in Zamak, einer Zinklegierung, die mit der Zeit eine Patina ansetzt. Dazu gehört ein eingearbeiteter Kapselheber in Herzform, damit wirklich jeder weiß, dass es hier um Frankreich geht. Auf Wunsch mit Gravur.

Preis: ab 29,00 €

Wer braucht das?

Ein sehr edel designter Helfer in der Not für Altwein-Fans, die das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden wollen.

 

The Durand

www.wineandbarrels.de

The Durand

Der Durand aus den USA vereint beide Korkenzieher-Techniken miteinander. Zuerst dreht man die Spindel bis zum Anschlag ein. Das erhöht schon mal den Druck im Flaschenhals. Dann kommen die beiden Klingen am Flaschenhals hinterher. Ist alles drin, schraubt man alles zusammen im Uhrzeigersinn raus. Dabei übernehmen die Metallzungen die Führung, so dass der Korken in der Regel erhalten bleibt.

In all unseren Versuchsreihen hat sich der Durand bei uns am besten bewährt. Er rettete die meisten alten Schätzchen und ist für uns der Rolls Royce unter den Korkenziehern. Denn die Technik ist nicht nur durchdacht und ausgereift, sie hat auch einen dreistelligen Preis. Am preiswertesten ist er in Deutschland bei Wine and Barrels zu bekommen.

Preis: um 145,00 €

Wer braucht das?

1. Wem die Tränen kommen, wenn der verrottete Stopfen eine alte Preziose ruiniert.
2. Gastronomen mit alten Jahrgängen, die Verluste vermeiden wollen.

 

Le Zig Zag

www.torquato.de

Le Zig Zag

Der Zig Zag wird bereits seit 1883 unverändert produziert. Hergestellt wurde der Korkenzieher lange Zeit von der Firma L’Idéal, deren Version heute als die klassische gilt. Deshalb ist die Spindel nicht zeitgemäß teflonbeschichtet. Durch den Übersetzungseffekt der Schere überträgt er beim Ziehen deutlich größere Kräfte auf den Korken als ein Kellnermesser mit einfacher Hebelwirkung. Satt verchromt und 1,8 mm dick machen die einzelnen Streben einen soliden Eindruck. Die Nieten haben allerdings ein gewisses Spiel, besonders die, die die Spindel halten, was das Ansetzen nicht eben leichter macht. Um die gesteigerte Kraftübertragung voll auszunutzen, muss man den Korkenzieher ganz eindrehen – auch wenn der Korken kürzer ist.

Wenn man danach mit zwei Fingern am schönen Chromgriff zieht, flutscht der Korken deutlich leichter als mit dem Kellnermesser aus der Flasche. Am besten stellt man sie dazu auf den Boden. Bei festsitzenden Korken entsteht ein Federeffekt. Der Zig Zag scheint sich zu dehnen und man hat das Gefühl, gleich reißt er. Doch genau das geschieht nicht, sondern mit einem Ruck fliegt der Korken aus der Flasche. Dazu ist auch genügend Kraft beim Ziehen nötig. Im täglichen Gebrauch ist der Zig Zag kein Problemlöser, aber ein Stück Alltagskultur mit großer Geste beim Öffnen.

Preis: um 69,90 €

Wer braucht das?

Weinfans mit Faible für industriellen Charme samt pfiffiger und funktionierender Technik. Für komplizierte Kork-Notfälle nicht geeignet.

 

Le Brucart

www.pulltex.com

Le Brucart

Hat man den Korken unter der Stanniolkapsel mit dem integrierten Kapselschneider freigelegt, setzt man den Brucart senkrecht auf die Flasche. Die Spindel einzudrehen, ist etwas fummelig. Beim ersten Mal klemmt man sich schnell die Finger, danach hat man das Prinzip verstanden. Mit der richtigen Haltung bohrt sich die teflonbeschichtete Wendel zentriert und kerzengerade in den Korken. Der Brucart bietet seitlich eine Skala, an der man ablesen kann, wie tief man die Spindel eindreht. Das erspart ärgerliche Krümel im teuren Wein. Man weiß ja nie, was die anrichten.

Der Öffner wirkt ein bisschen klein und dünn. Die Gelenke haben auch relativ viel Spiel. Aber der Winzling setzt echte Hebelkräfte frei. Durch die Kraftübertragung an der Zahnstange braucht die Hand, ähnlich wie bei einem Wagenheber, wirklich kaum Kraft. Der Korken wird exakt senkrecht gezogen und reißt auch nicht so schnell ab. Das dauert zwar ein bisschen länger, macht aber richtig Spaß. Die Skala für die Spindel endet allerdings bei fünf Zentimetern. In Spitzenweinen stecken jedoch oft längere Korken. Der Brucart ist dennoch ein feines Helferlein für den privaten Alltag, nicht für den alten Jahrgang zum Fest und nichts für Sommeliers. Dafür schließt er eine Lücke zwischen dem einfachen Kellnermesser und großen Hebelkorkenziehern. Der Brucart ist praktisch und so klein, dass er im Etui in jede Jackentasche passt.

Preis: 119,70 €

Wer braucht das?

Wen das umständliche Hantieren und Gezerre bei klassischen Korkenziehern nervt, findet hier einen Freund fürs Leben, den man auch unterwegs immer dabei haben kann.

 
 

Fazit

Man kann den Korkenzieher nicht neu erfinden, aber einiges besser machen – und manches anders. Ersteres lohnt sich, wenn man Kraft sparen oder die Nerven schonen will, zum Beispiel mit dem Brucart und dem Zig Zag. Für rare, teure und vielleicht einmalige Flaschen sind dagegen Bilame, Durand und der Pulltex von Toni Askitis zuständig. Manchmal liegt aber der Reiz aller Testkandidaten einfach in der originellen Idee.

 

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