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Die Insolvenz des Weingutes Schiefer & Domaines Kilger im Burgenland sorgte für Aufsehen. Uwe Schiefer sprach mit Alexander Lupersböck über seinen Neustart und das schwierige Ende der Partnerschaft mit Investor Hans Kilger.

Der österreichische Winzer Uwe Schiefer**** beginnt noch einmal von vorne. Nach dem Konkurs der Schiefer & Domaines Kilger startet er jetzt neu mit der Schiefer Wein GmbH und der Marke „schiefer.pur“. Sein 1994 gegründetes Weingut stellte einige der gesuchtesten Weine im kleinen Weinbaugebiet Eisenberg im Burgenland her. Mit sehr kleinen Ernten in den Jahrgängen 2014 bis 2016 und nach einigen wirtschaftlichen Fehlentscheidungen, wie Schiefer im Gespräch mit wein.plus einräumt, geriet das Weingut finanziell in die Krise. In dieser Situation sprach ihn 2017 der Münchner Steuerberater und Investor Hans Kilger an und übernahm 50 Prozent der Anteile am Weingut.

Insgesamt umfasst Kilgers Unternehmensnetzwerk über 40 Gesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem Eigenkapital von über 100 Millionen Euro. Kilger war über Beteiligungsgesellschaften bereits als Investor bei steirischen Weingütern, Fleischzüchtern und Gastronomiebetrieben tätig. 2024 verurteilte ihn das Landgericht München zu einer Strafe wegen versuchter Steuerhinterziehung. Laut Urteil habe er 2010 versucht, über 300.000 Euro Steuern zu hinterziehen. Dazu habe er ein illegales Steuersparmodell mit einer Firma auf Mauritius genutzt. Kilger hat Revision eingelegt.

“Ich saß zu viel im Auto und war zu wenig im Weinberg”, sagt Uwe Schiefer heute.

Andreas Durst

Laut Uwe Schiefer verhandelte der Investor bei seinem Einstieg eine Vollmacht in den Gesellschaftsvertrag hinein. „Wir hatten persönlich eine klare Vereinbarung: Ich mache Wein, er kümmert sich um Vertrieb und Finanzen“, erzählt Schiefer, „doch durch eine zusätzliche Vollmacht erhielt er alle Rechte. Das hat meine Geschäftsführertätigkeit ad absurdum geführt.“ Er habe keine Entscheidungen treffen dürfen. Ihm wurde zudem der Geschäftsführer der Domaines Kilger als Prokurist an die Seite gestellt, der laut Schiefer in 38 Betrieben tätig war. Ohne ihn sei keine Entscheidung möglich gewesen. Der Winzer fasst das komplizierte Verhältnis der Partner kurz: „Kilger durfte alles, Schiefer durfte nichts.“ Das hatte Folgen: Laut seiner Aussage wurden Kredite auf die gemeinsame Gesellschaft aufgenommen, von denen er nichts wusste. Das Geld sei vermutlich in andere Kilger-Beteiligungen geflossen, berichtet Schiefer. Zudem seien oft Rechnungen an die Schiefer & Kilger-Gesellschaft nicht bezahlt worden.

Mitte 2023 kündigte Schiefer die Vereinbarung – und erlebte eine Überraschung: „Als das Weingut wieder mir allein gehörte, habe ich keinen Steuerberater gefunden, der die Buchhaltung übernehmen wollte“, berichtet Uwe Schiefer. „Wir hatten zuvor viermal in sieben Jahren den Steuerberater gewechselt.” Das habe ihn irritiert, „weil Herr Kilger ja Eigentümer einer großen Steuerberatungsgesellschaft ist”. Nachdem er ihm die Vollmacht entziehen konnte, sei plötzlich eine Fälligstellung sämtlicher Schulden an die Schiefer & Domaines Kilger eingegangen: „Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stand vor meiner Tür und wollte einen Kassensturz machen.“

 

Vier Millionen weg?

Schon mehrere Kilger-Beteiligungen in Österreich wie Steirerwein und die Domäne Müller gingen vor Schiefer & Domaines Kilger in die Insolvenz. Kilger selbst sagte dazu in einem Interview im Mai 2025 mit der österreichischen Tageszeitung Die Presse: „Keine Ahnung, wo das Geld ist. Mir fehlen vier Millionen Euro, ihm nicht.“ Schiefer sei demnach der einzige Geschäftsführer des Weinguts gewesen. Das bestreitet der im wein.plus-Gespräch ausdrücklich: „Es hat in den letzten zwei Jahren keinen Kontakt gegeben. Ich habe mir die Finger wund gedrückt, mit SMS, mit WhatsApp, mit Anrufen“, berichtet er. „Ich bin mit meinem Finanzberater ins Büro von Schiefer & Domaines Kilger nach Leibnitz gefahren. Wir wurden der Tür verwiesen.“

Bereits 2022 scheiterte eine Kilger-Investition in Deutschland: Er hatte 2021 die Stromburg im Hunsrück übernommen, in der ein Hotel untergebracht war und in dem Starkoch Johann Lafer bis 2019 sein Sternerestaurant „Val d’Or“ geführt hatte. Nach kurzer Nutzung als Steakhaus stieg Kilger ein und kündigte eine Neukonzeption an. Doch schon bald darauf schlossen sich wieder die Türen. Die Insolvenz sei der Pandemie geschuldet gewesen, erklärte Kilger. Den anderen Gesellschaften und Beteiligungen, die zu den Domaines Kilger gehören, gehe es gut.

Doch 2022 ging auch die Mangalitza-Schweinezucht „La Gioia“ in der Oststeiermark in die Isolvenz, an der eine Beteiligungsgesellschaft Kilgers, die Stern Capital Management AG in Starnberg, zu 60 Prozent investiert war. Laut Medienberichten haben die Verantwortlichen der Stern Capital Management nach Streit unter den Teilhabern selbst den Insolvenzantrag gestellt.

Gemeinsam mit seinem Sohn Paul vinifizierte Uwe Schiefer die Weine des „genialen“ Jahrgangs 2021.

Schiefer Wein

Im April 2025 gab auch die Holding der Domaines Kilger in einer Pressemitteilung bekannt, dass auch sie offenbar Finanzprobleme hat. Eine im April 2024 fällige Anleihe mit einem Volumen von 20 Millionen Euro könne nicht zurückgezahlt werden, sondern müsse umstrukturiert werden. Die Laufzeit wurde laut Nachrichten der Börse Frankfurt um drei Jahre verlängert, die Zinsen werden zudem erst am Fälligkeitstag zur Zahlung fällig. Die Holdinggesellschaft Domaines Kilger GmbH & Co. KGaA hält eine wesentliche Beteiligung an der Domaines Kilger GmbH & Co.

„Was mich am meisten ärgert: In meiner Region war nie zu hören, Schiefer und Kilger zahlen ihre Rechnungen nicht – sondern immer nur: Der Schiefer zahlt seine Rechnungen nicht“, klagt Uwe Schiefer. „Dabei ist meine Familie schuldenfrei, wir haben auch private Reserven.“ Das Weingutsgebäude sei auf 20 Jahre finanziert, es gebe einen strikten Finanzplan. Überschüsse würden monatlich an die Bank zurückgeführt. „Ich selbst habe in den vergangenen Jahren kein Gehalt bekommen und kein Geld privat entnommen“, betont er. „Alles, was ich privat mit der Gastronomie und meiner Lektorentätigkeit an der Weinakademie verdient habe, habe ich in die Firma investiert.“ Gesellschafter des neuen Unternehmens sind Schiefers Sohn Paul mit 49,8 Prozent sowie mit je 25,1 Prozent die Raiffeisenbank Fehring Immobilien- und Beteiligungen GmbH und die Karma Consulting von Karl Gerngross. Gerngross ist ein enger Freund von Uwe Schiefer, der nach seiner Aussage „die finanziellen Dinge regelt“.

 

„Jetzt muss ich konsolidieren”

Uwe Schiefer wird sich in Zukunft auf seine rund zwölf Hektar Weinberge am Eisenberg konzentrieren. Zwei Drittel davon hat er langfristig gepachtet. „Meine Verpächter standen alle hinter mir. Die haben gesagt: ‚Wenn es dieses Jahr nicht geht, halten wir zu dir. Wenn es nächstes Jahr wieder besser geht, gibst du uns halt zusätzlich ein paar Flaschen Wein.‘ Die sind froh, wenn jemand was macht, weil es in letzter Zeit so viele Betriebsaufgaben in der Region gegeben hat. In der Ried Saybritz, einer der besten Lagen weltweit, wird fast ein Fünftel der Fläche momentan nicht bewirtschaftet.“ Uwe Schiefer würde das reizen. „Aber jetzt muss ich konsolidieren. Und ich habe noch den Keller voll mit den Weinen, die ich für Domaines Kilger produziert habe. Er hat immer nur bestellt, aber nichts verkauft.“ Die Flächen in Lutzmannsburg im Mittelburgenland und in Purbach am Neusiedlersee hat er aufgegeben. „Ich habe jahrelang fast nur im Auto gesessen, und dort sind die Dinge liegen geblieben. Ich war zu wenig im Weinberg.“

 

Andreas Durst

Als Rotweinwinzer hat er es zurzeit besonders schwer. Wie sieht Schiefer die Zukunft? „Jemand, der nicht im Rotweinsee mitschwimmt, sondern spezifische Weine macht, hat einen Vorteil. Ich habe 30 Jahre lang bewiesen, dass ich das kann, und habe viele treue Stammkunden. Aufgrund unserer vielen Auszeichnungen und guten Bewertungen haben wir auch ein gutes Image.“ Er hofft auch darauf, Fachhändler als Partner zurückzugewinnen, die aufgrund der Kilger-Beteilung abgesprungen seien. „Die haben gesagt: Diesen Namen wollen wir nicht in unserem Katalog haben.“ Wichtig sei auch, preissensibel vorzugehen. „Wir sind teilweise in Sphären gelangt, die für viele Verbraucher nicht mehr leistbar sind. Ich werde meinen Blaufränkisch Reihburg weiterhin für 65 Euro verkaufen.“ Die Geschäfte seien in den vergangenen beiden Jahren sehr gut gelaufen. Allein 2023 habe er 1,6 Millionen Euro Umsatz gemacht. Und jetzt habe er die Weine des Jahrgangs 2021 im Keller, die er gemeinsam mit seinem Sohn Paul vinifiziert hat. „Die sind das Genialste, was ich jemals gemacht habe“, schwärmt er, ebenso von den Folgejahrgängen.

Zurzeit sind sieben Personen fest im Weingut angestellt, vier davon für die Weinbergsarbeit. Das ist nicht wenig für zwölf Hektar. „Bei mir wird jede Traube mehrmals gestreichelt“, sagt Schiefer und lacht. Diese Akribie in der Arbeit sei mit 38 Hektar an fünf Standorten verloren gegangen. Zudem plant er, für den Keller einen Assistenten anzustellen. Langsam kehrt bei Uwe Schiefer der Optimismus zurück: „Ich will klarstellen, dass ich als Uwe Schiefer weiterarbeite. Mein Vater hat immer gesagt. Aus Fehlern lernt man. Aber es ist besser, aus den Fehlern anderer zu lernen.“

 

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