Marcus Hofschuster und Kim Schreiber haben diesmal 31 Weingüter aus vier Ländern ausgezeichnet. 18 erhalten den Preis für die „Kollektion des Jahres“, 13 Betriebe sind ihre „Entdeckungen des Jahres“. Hier kommen die Sieger der Saison!
Die „Kollektionen des Jahres“ verleihen wir an Weingüter, die uns in der abgelaufenen Saison besonders positiv aufgefallen sind und die uns mit besonders eigenständigen Weinen und Sortimenten überzeugt haben. Das können berühmte Spitzenerzeuger sein, aber auch aufstrebende Betriebe, und von denen wir aufgrund ihrer Leistungen den Eindruck gewonnen haben, dass sie sich derzeit in der absoluten Gebietsspitze etablieren.
Die „Entdeckungen des Jahres“ werden an Weingüter verliehen, die wir bis vor Kurzem nicht kannten oder die uns im jeweiligen Gebiet durch den größten Qualitätssprung aufgefallen sind. Wir können sie jedem Weinfreund ans Herz legen, der neue Spitzenwinzer kennenlernen will.
Ob wir eine Auszeichnung vergeben, hängt außerdem davon ab, wie repräsentativ die Weinanstellungen aus dem jeweiligen Gebiet ausgefallen sind, aber auch davon, wie vollständig die in Frage kommenden Weingüter ihre Weine eingereicht haben. Zudem ist uns wichtig, wie gut das Gesamtniveau der einzelnen Weinregionen ist. So kann es sein, dass wir für einige Gebiete gar keine Auszeichnungen vergeben, für andere möglicherweise nur eine Kollektion oder eine Entdeckung des Jahres.
Die diesjährigen Preisträger wurden aus den Verkostungsergebnissen von rund 6.600 grundsätzlich blind und oft mehrfach probierten Weinen ermittelt. Ganze 31 Weingüter aus vier Ländern dürfen sich in diesem Jahr über ihre Auszeichnungen freuen, 18 erhalten den Preis für die „Kollektion des Jahres“ in ihrem jeweiligen Anbaugebiet, in 13 Gebieten feiern wir „Entdeckungen des Jahres“.

Nicht zum ersten Mal zeichnen wir Adeneuers mit der Kollektion des Jahres aus. Was uns hier begeistert, ist nicht nur die schiere Qualität, sondern auch der ganz eigenständige Charakter der Weine. Hier entstehen keine Kopien großer Vorbilder, vielmehr erstklassige Abbilder ihrer Herkunft. Schon die günstigen Einstiegsweine haben bemerkenswerte Klasse.

Unter dem Namen Kalkbödele ist das Weingut schon länger für gute, oft sehr gute Weine vom Tuniberg bekannt. Unter Winzer Severin Stich und Kellermeisterin Sabeth Sedlatschek hat die Qualität noch einmal deutlich angezogen: Die Weine sind an breiter Front feiner, nobler und präziser geworden, gehören in der Spitze gar zu den besten ihrer Art im Land. Der Tuniberg stand lange im Schatten des benachbarten Kaiserstuhls. Die neue Winzergeneration des Weinguts der Gebrüder Mathis arbeitet offenbar gerade daran, das zu ändern.

Vom Bodensee-Weingut Rebholz probieren wir zum ersten Mal eine kleine Serie von Weinen, die uns in ihrer mittelkräftigen, bisweilen auch schmelzigen und tendenziell warmen Art allesamt gut gefielen. Bei einigen Proben blitzte schon eine gewisse Klasse auf. Das Weingut sollte man im Auge behalten.

Aus Richard Östreichers Keller kommen heute einige der feinsten Weißweine Frankens, ja sogar ganz Deutschlands. Bessere Silvaner haben wir hier noch nicht erlebt, und auch der Chardonnay besitzt große Klasse. Die Weine verbinden Konzentration, Tiefe und Ausdruckskraft mit Feinheit und innerer Ruhe, wie das nur wenige Produzenten zustande bringen. Ganz nebenbei entsteht hier auch noch einer der besten roten Bordeaux-Blends des Landes.

Das kleine Weingut steht etwas im Schatten weit berühmterer Betriebe in Iphofen. Zu Unrecht: Hier findet man nicht nur exzellenten Silvaner (auch als Schaumwein), sondern auch einen der besten Müller-Thurgaus überhaupt.

Schloss Schönberg ist der Schwesterbetrieb des Sekthauses Griesel, das sich in den letzten Jahren einen festen Platz unter den besten Sekterzeugern Deutschlands erarbeitet hat. So ist es kein Wunder, dass auch die Stillweine von bemerkenswerter Güte sind. Und das ist fast noch untertrieben; wir haben überhaupt noch nie so gute Weine von der Hessischen Bergstraße probiert!

Peter und Cecilia Jost haben eine Serie vorgestellt, aus der man jeden Wein empfehlen kann. Schon die Basisqualitäten sind auffällig gut. Nachproben deutlich älterer Jahrgänge belegen zudem immer wieder die Reifefähigkeit von Josts Rieslingen – und das nicht nur in der Spitze.

Seit Constantin Richter das elterliche Weingut übernommen hat, ist es immer weiter an die Spitze der Weingüter von Mosel, Saar und Ruwer herangerückt. Heute muss man seine klassischen feinherben und süßen Rieslinge in einer Reihe mit jenen weit berühmterer Weingüter nennen. Doch in einem Bereich hat Richter nahezu gar keine Konkurrenz: Unter seiner Hand entstehen aus einigen der legendären Lagen der Mittelmosel knochentrockene Spitzen-Rieslinge, wie man sie hier vermutlich noch nie erlebt hat.

Das durchaus bekannte Weingut müssten wir eigentlich als Wiederentdeckung feiern, da es uns nach über einem Jahrzehnt Pause erst seit Kurzem wieder regelmäßig seine Weine vorstellt. Doch man hat die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sehr guten Wein gibt es hier schon lange, doch so brillant, spannungsreich und komplex wie heute waren sie wohl noch nie – und das von den trockenen Vertretern bis hin zu umwerfenden edelsüßen Spitzen.

Caroline Diel hat ihre Weine in den vergangenen Jahren immer mehr aufs Wesentliche reduziert. So sind die trockenen Rieslinge nicht nur frei von Restzucker, sondern auch kaum mehr fruchtig. Dafür verfügen sie über eine Tiefe, Vielschichtigkeit, Spannung und mineralische Energie, wie man sie in ganz Deutschland nur selten findet. Doch auch die süßen und edelsüßen Weine sind brillant. Dazu kommen zuverlässig einige der besten Winzersekte überhaupt.

Die kompromisslos trockenen, stets fest gewirkten und zugleich eleganten, betont mineralischen Rieslinge von Reichsrat von Buhl gehören immer wieder zu unseren Favoriten in der Pfalz. So auch 2024, wo sich das Gut gegen einige Konkurrenz durchzusetzen hatte. Das Kirchenstück ist einer der wenigen ganz großen Rieslinge des 2024er Jahrgangs und ragt aus einer Serie erstklassiger Grosser Gewächse noch einmal deutlich heraus.


Wohl keinem anderen Weingut gelingen in Deutschland derart tiefgründige, konzentrierte und komplexe Weine bei so niedrigem Alkohol wie jenem von Theresa Breuer. Und das, obwohl die Weine heute oft noch wesentlich trockener wirken, als das früher bisweilen der Fall war. Doch so beeindruckend diese Rieslinge jung auch sein mögen, sie benötigen allesamt Reifezeit – die sie am Ende mit ziemlich einzigartigen Weinerlebnissen belohnen.

Eva Fricke ist nun schon eine ganze Weile für ihre geschliffenen, lebhaften, eher leichtfüßigen und doch ausdrucksstarken Rieslinge bekannt, doch uns hat sie zum ersten mal einen aktuellen Jahrgang offiziell vorgestellt. Und sie hat uns nicht enttäuscht. Besonders beeindruckt hat uns die konzentrierte, vielschichtige „Melange“, die den meisten Grossen Gewächsen der Region problemlos Konkurrenz macht.

Daniel Wagner hat sich in diesem wahrlich nicht ganz einfachen Jahrgang selbst übertroffen. Seine 2024er Serie dürfte zu den beeindruckensten gehören, die wir hier je probiert haben. An der Spitze steht ein umwerfender Scharlachberg, einer unserer trockenen Rieslinge des Jahres.


Die Weine dieses Württemberger Spitzenweinguts sind hier in letzter Zeit noch feiner, präziser und eleganter geworden, ohne an Ausdruckskraft zu verlieren. Die Rotweine gehören zu den besten des Landes, die Sauvignons nicht weniger. Und die Rieslinge ziehen nach! Gar nicht zu reden von den hervorragenden Sekten und einem Trollinger Rosé, der zwar teuer, aber auch sehr, sehr überzeugend ist.

Das Panoramaweingut Baumgärtner hat 2025 zum ersten Mal eingereicht – dafür gleich eine ziemlich umfangreiche Serie. Das machte es möglich, uns von der Zuverlässigkeit des Weinguts zu überzeugen: Die Weine sind rot wie weiß sehr empfehlenswert, und das auch bei weniger alltäglichen Rebsorten. Wir sind gespannt, wie es hier weitergeht.

Schon die Basisweine bei Nittnaus besitzen eine Güte, die man in ihrer Preisklasse weltweit nur selten findet – und das weiß wie rot. Die roten Spitzen wiederum gehören in ihrer Mischung aus Kraft und Finesse, Festigkeit und Eleganz sowie ihrer Frische, Tiefe, Komplexität, Mineralität und betörenden Saftigkeit zu unseren Lieblingsrotweinen – nicht nur in Österreich.

Das südburgenländische Weingut bietet eine recht breite Palette an Weiß- und Rotweinen an. Von denen haben wir zwar bislang nur einen Teil probiert, doch der offenbart im Basis- wie im Premiumbereich durchweg sehr erfreuliche Qualitäten zu überaus erschwinglichen Preisen.

Der Wachauer Spitzenbetrieb ist vielleicht weniger berühmt als der eine oder andere Nachbar, hat aber noch jedes Mal, wenn wir seine Weine probieren durften, gezeigt, was er kann. So auch aktuell mit einer großartigen 2023er Riesling-Serie.

An der Basis frisch, saftig und animierend, in der Spitze mit Kraft, Ausdruck und Komplexität: Mit seiner ersten Vorstellung hat Christoph Edelbauer gleich gezeigt, was er kann. Hier sind nicht nur Veltliner und Riesling richtig gut, auch die Roten können sich sehen lassen.

Das Weingut Gross wird man wohl niemandem vorstellen müssen. Nicht nur die Sauvignons erreichen hier regelmäßig Weltklasse-Niveau, auch die Chardonnays sind großartig, und Weißburgunder wird man nur sehr schwer irgendwo einen besseren auftreiben können als den Nussberg Stauder. Auch dass die Weine bestens reifen, beweisen uns Nachproben aus unserem Archiv immer wieder. Neu ist uns Sekt von hier: Die Blanc de Blancs Grosse Reserve besitzt echte Klasse und wirkt noch immer jung. Warum nur wundert uns das nicht?

Vietti verbindet in seinen Nebbiolos Klassik und Moderne so gekonnt, dass hier wahrlich nur das Beste beider Welten aufeinandertrifft. Die Weine sind schon jung ungemein geschliffen, betörend, fein und trügerisch zugänglich, und doch besitzen sie ungeheure Tiefe, die Komplexität der großen alten Traditionalisten und wohl auch deren Entwicklungsfähigkeit – und das nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer schlafwandlerischen Balance. Schon der Basis-Barolo hat hier ein Niveau, das manch andere mit ihren Spitzen nie erreichen.

Aus lediglich 1,4 Hektar Reben in besten Lagen in Serralunga entstehen bei Davide Fregonese, komplexe, fest gewirkte Barolo eher traditioneller Machart mit der ganzen Ausdruckskraft ihrer Herkunft. Sie sind rar, aber es lohnt sich, nach ihnen Ausschau zu halten.

Wie inzwischen nicht wenige Spitzenbetriebe aus der Toskana und dem Piemont, besitzt auch das Brunello-Weingut Giodo des schon fast legendären Oenologen Carlo Ferrini Weinberge am Ätna. Die Produktion ist klein, die Qualität aber um so größer. Man wird lange darüber streiten können, ob der brillante, ungeheuer mineralische, ausdruckstarke Weißwein die Nase vorn hat oder der dichte, kraftvolle und dennoch frische, fast kühl wirkende Rote. Beiden muss man viel Zeit widmen, um ihnen gerecht zu werden, beide lohnen es enorm.

Dass unter den vielen ausgezeichneten Genossenschaften jene aus Tramin eine der besten ist, ist keine Neuigkeit. Das aktuelle Sortiment jedoch ist von einer Güte, die man auch als langjähriger Kenner des Betriebs so nicht unbedingt erwartet hätte. Die Pinot Noir wohl besser den je, der Chardonnay „Troy“ in überragender Form und die Gewürztraminer von einer Klasse, die weltweit nur wenig Konkurrenz hat: Man kann nur den Hut ziehen.


Seit vielen Jahren fällt uns Carpineta Fontalpino regelmäßig positiv auf. Schon die Basis-Chianti aus dem Classico, aber auch die Colli Senesi zählen regelmäßig zu den besten ihrer Art. Die großen Lagenweine, heute als Gran Selezione aus 100 Prozent Sangiovese gekeltert, sind heute stärker denn je, doch auch die Bordeaux-Cuvée „Do ut des“ aus je zu einem Drittel Petit Verdot, Merlot und Cabernet Sauvignon nimmt es mit vielen ruhmreicheren Supertuscans ohne weiteres auf. Kostet nur deutlich weniger.

Privat konnten wir uns schon öfter von der Qualität der Champagner von Billecart-Salmon überzeugen. Jetzt hat das Weingut erstmals eine größere Auswahl seiner Weine zur Verkostung eingereicht und den ohnehin schon überaus positiven Eindruck eher noch übertroffen. Besonders erfreulich: Trotz ihrer Klasse bleiben viele Weine hier noch erschwinglich.

Die Kaiserstühler Wein- und Sektmacher stellten ihre Schaumweine im vergangenen Jahr erstmals vor und überzeugten uns auf Anhieb. Die günstigen Basisekte sind zwar alle etwas süßlich abgerundet, aber keineswegs anspruchslos. Die Brut Nature zeigen bereits echte Klasse – und sind preislich dennoch nicht abgehoben.
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