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Toskanische Köstlichkeiten statt pappiger Pizza, Weingenuss statt Warteschlangen: Wer in Florenz genießen will, muss sich außerhalb der Touristenströme bewegen. Raffaella Usai verrät ihre besten Tipps für den nächsten Toskana-Trip.

Mit Selfie-Sticks ausgestattete Asiaten, amerikanische Reisegruppen, deutsche Schulklassen – Florenz wird jährlich von Millionen Touristen besucht, die sich dicht gedrängt und in euphorischer Stimmung durch Kirchen, Paläste und Museen schieben. Wenig verwunderlich, dass es an jeder Straßenecke überteuerte Bars und Cafés gibt, in denen den Gästen lieblos hergestellte Sandwiches, schlechter Cappuccino und langweiliger Aperol Spritz zugemutet werden.

Doch Florenz hat nicht nur Touristenfallen zu bieten: Es gibt empfehlenswerte Weinbars und Restaurants mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, in denen man sich bei einem tollen Glas Wein von Reizüberflutung und Menschenmassen erholen kann.

 

Ein Wagen voller Ballonkorbflaschen in Florenz um 1910.

Piero A. Boni Editore

Geschichte live erleben: „Fiaschetterie“ und „Buchette del vino“

Die Renaissance-Stadt ist nicht nur die Heimat von Dante und Macchiavelli, von Michelangelo und Botticelli. Florenz ist auch die Stadt der antiken „vinai“ und der „fiaschetterie“, den typisch Weinschenken, in denen früher der Wein in großen Ballonkorbflaschen, den sogenannten „damigiane“ angeliefert wurde. Mehr als ein Geschäft war der „vinaio“ ein Treffpunkt für jung und alt, wo man zum Schwatz mit Freunden auf ein Glas Chianti und ein „panino“ zusammenkam.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine „Fiaschetteria" eine Art Weinstube, in der vor allem die „renaioli" – die Arbeiter, die das Arno-Flussufer befestigten –, aber auch Handwerker ihre Mittagspause machten oder am Ende des Arbeitstags einen Imbiss nahmen.

Eine typische „Buchetta del Vino“ der Weinbar Babae in der Via Santo Spirito.

Raffaella Usai

Wer die damalige Atmosphäre nachempfinden will, der sollte unbedingt bei „I Fratellini“ in der Via de’ Cimatori in der Nähe der Piazza della Signoria vorbeischauen. Keine Sitzplätze, dafür Panini, die zu den besten der Stadt gehören. Dazu ein Glas Wein, das man in dafür vorgesehene Setzkästen abstellt, und das Erlebnis ist perfekt!

Ein weiteres historisches Relikt der toskanischen Weinkultur sind die sogenannten „Buchette del Vino“ – die „Weinfensterchen“ von Florenz. Diese kleinen, bogenförmigen Durchreichen sind in die Fassaden zahlreicher Paläste der Stadt eingelassen und dienten ursprünglich dem Verkauf von Wein direkt an Kunden, ohne dass diese ein Geschäft betreten mussten.

Ihre Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als florentinische Adelsfamilien, die oft auch Weinproduzenten waren, ihre Erzeugnisse steuerfrei direkt aus ihren Palästen heraus verkauften. Die Kunden klopften an das kleine Fenster, bestellten ihren Wein, bezahlten und erhielten eine gefüllte Karaffe.

Während der Pest im 17. Jahrhundert erlebten die Buchette del Vino eine neue Bedeutung, da durch sie ein kontaktloser Verkauf möglich war. Nach einer langen Phase des Vergessens wurden in den vergangenen Jahren viele Buchette restauriert und in einigen Lokalen wieder in Betrieb genommen – vor allem während der Corona-Zeit.

 

Meine Lieblingsplätze in Florenz

 

 

Raffaella Usai

Il Santino
– klein, lässig, exzellent

Il Santino ist seit vielen Jahren einer meiner Favoriten für ein gutes Glas Wein und einen kleinen Snack zwischendurch. Die kleine Weinbar mit wenigen Sitzplätzen liegt im Viertel Oltrarno, nur zehn Fußminuten vom Ponte Vecchio entfernt. Egal ob man mit Freunden kommt oder allein, die lässige Atmosphäre und das einheimische Publikum laden immer zum Verweilen ein.

Für den Besuch sollte man allerdings etwas Zeit mitbringen, denn häufig ist das Personal, das alles frisch vor den Augen der Gäste anrichtet, etwas länger mit der Zubereitung beschäftigt.

Besonders empfehlenswert ist die feine Käseauswahl, zu der die exzellenten Produkte der toskanischen Fattoria Corzano e Paterno von Aljoscha Goldschmidt gehören. Die Weinkarte umfasst eine große Auswahl an toskanischen und italienischen Weinen, der Fokus liegt seit einigen Jahren auf Weingütern, die biologisch oder biodynamisch arbeiten. Dabei ist die gute Mischung zwischen bekannten und aufstrebenden Erzeugern überzeugend gelungen.

Neben der Weinbar betreiben die Inhaber auch das Restaurant „Il Santo Bevitore“, das nur wenige Meter weiter liegt. Wer also großen Hunger hat, kann gleich nach dem Aperitivo rüberschlendern.

Il Santino

Via Santo Spirito, 60 r, Florenz
Tel. +39 055 230 2820
Mo – So 12.30 – 23.00 Uhr

Website Instagram

 

Eine echte Institution in Florenz: das Volpi e l’Uva.

Raffaella Usai

Le Volpi e l’Uva
– eine Institution

Ein Besuch in der Enoteca Le Volpi e l’Uva ist ein Muss für jeden Weinfreund. Seit über 30 Jahren ist das Lokal der Treffpunkt für alle in der Stadt, die ein gutes Glas jenseits des Mainstreams zu schätzen wissen. Die auch über die Landesgrenzen hinaus bekannte Vinothek ist nur einen Katzensprung entfernt vom Ponte Vecchio, der ältesten Brücke der Stadt. Ob zum schnellen Mittagssnack oder zum Aperitif – das an Andrang und Hektik gewöhnte Personal verwöhnt die Gäste zu jeder Tageszeit mit feinen Käsespezialitäten aus Italien und Frankreich sowie kleinen warmen Gerichten.

Das Team um den Gründer und Önologen Emilio Monechi reist regelmäßig durch Italien, immer auf der Suche nach seltenen Schätzen. Für kleine, möglichst biologisch arbeitende Winzer setzen sich die Inhaber besonders ein. Die wechselnde Offenweinkarte ist wohl mit Abstand die umfangreichste in ganz Florenz. Neben vielen italienischen Erzeugnissen findet man hier auch Chablis oder Vouvray. Vor allem am Samstagabend muss man allerdings damit rechnen, etwas länger auf einen Tisch auf der Terrasse oder einen der heißbegehrten Barhocker an der Theke zu warten.

Le Volpi e l’Uva

Piazza dei Rossi 1, Florenz
Tel: +39 055 2398132
Mo – Sa 12.00 – 21.00 Uhr, Ruhetag: Sonntag

Website

 

Vineria Sonora
– die Listening Bar

Die „Listening Bar“ Vineria Sonora liegt zentral im Viertel Sant’Ambrogio und begeistert seit 2018 die Naturwein- und Vinyl-Fans gleichermaßen. Das im Retro-Look gestaltete Lokal verbindet Plattenladen mit Bar-Bistro-Atmosphäre und lädt regelmäßig DJs und Winzer zur Party ein. Nirgendwo sonst in Florenz findet man eine so beeindruckende Auswahl an italienischen Naturweinen – von unbekannten Garagen-Winzern bis hin zu den Stars der Szene.

Die Küche setzt auf handwerklich hergestellte Spezialitäten aus ganz Italien, mit leichter Betonung auf Kalabrien, der Heimat der Besitzer Laura Giovinetti und Andrea Marsico. Es gibt einfache, aber raffinierte kleine Gerichte wie geröstete Porchetta, rustikale Lasagne mit Wildschwein, Crostini mit scharfer kalabrischer ’Nduja sowie saisonale Beilagen wie gebackenen Kürbis und Artischocken. Alles in Bio-Qualität!

Gleich gegenüber betreiben Giovinetti und Marsico das kleine Geschäft Lato B (B-Seite), das neben Food-Spezialitäten auch Schallplatten und Bücher verkauft. Funky!

Vineria Sonora

Via degli Alfani 39 r, Florenz
Tel: +39 333 1999093
Di – So: 17.00 bis 1.00 Uhr

Website

 

Die große Liebe der Inhaber sind toskanische Weine aus Sangiovese.

Raffaella Usai

Pitti Gola e Cantina
– Charakter und Weinleidenschaft

Jugendlicher Idealismus, großes Engagement und die Liebe zu außergewöhnlichen Weinen haben die drei Besitzer Edoardo, Zeno und Manuele vor fast 15 Jahren inspiriert, direkt gegenüber vom imposanten Palazzo Pitti ihren eigenen Laden aufzumachen. Damals haben sie die bereits bestehende Bar übernommen und sofort große Namen wie Antinori, Frescobaldi und Mazzei aus ihrem Angebot verbannt.

Heute sind sie zwar ein bisschen älter, aber ihre Leidenschaft ist geblieben. Statt Mainstream findet man dort nach wie vor Charaktervolles von kleineren Erzeugern, wie zum Beispiel Lambrusco Metodo Classico von Cantina della Volta oder Valtellina Superiore von Arpepe. Auch gereifte Jahrgänge vieler toskanischer Spitzen-Weingüter fehlen nicht auf der Karte.

Die regelmäßig wechselnde Auswahl an Offenweinen umfasst elf Rot- und sieben Weißweine sowie drei Schaumweine aus traditioneller Flaschengärung. Noch interessanter sind jedoch die Flaschenweine. Um diese Schätze zu erobern, können sich die Gäste entweder beraten lassen oder selbst in den Regalen stöbern. Der Fokus liegt auf toskanischen Sangiovese-Weinen, denen die unverhohlene Liebe der Besitzer gilt, sowie piemontesischen Gewächsen – aber auch Südtirol, Venetien, Friaul und Sizilien sind gut vertreten.

Trotz der zentralen Lage sind die Preise moderat: Eine Auswahl an verschiedenen Käse ist für 16 Euro zu haben, warme Gerichte für den kleinen Hunger ab zwölf Euro. Die Preise für ein Glas Wein (0,1 l) liegen zwischen sieben und zwölf Euro.

Egal, ob vor oder nach einem Spaziergang durch die Boboli-Gärten: Die Enoteca Pitti Gola e Cantina ist immer eine gute Wahl.

Enoteca Pitti Gola e Cantina

Piazza de' Pitti, 16, Florenz
Tel: +39 055 212704
Mo – So von 12.00 - 23.00 Uhr, kein Ruhetag

Website

 

Enoteca Spontanea
– Slow Food trifft Naturwein

Hinter dieser kleinen Naturweinbar mit angeschlossenem Bistro steckt das Geschwisterpaar Nicola und Irene Schirru. Der umtriebige und äußerst kommunikative Sommelier Nicola hat sich jahrelang im Coquinarius nahe des Doms den Respekt der Gäste erarbeitet und mit der Enoteca Spontanea 2022 ein neues Projekt gestartet. Seine Schwester Irene, Köchin und leidenschaftliche Bäckerin, verwöhnt die Gäste mit authentischer Küche, die von Käse- und Wurstspezialitäten aus „Slow-Food-Presidi“ begleitet wird.

Die Speisekarte bietet je nach Saison cremigen Baccalà mantecato (Stockfisch) mit karamellisierten Zwiebeln auf gerösteter Brioche, Wildragout mit frischen Tagliatelle, handgemachte Agnolotti gefüllt mit Francesina (toskanisches Rindfleisch, langsam in Rotwein und Zwiebeln geschmort) sowie knusprige Quiches mit saisonalem Gemüse wie Spargel oder Mangold.

Das kleine Lokal liegt im Viertel Oltrarno, unweit vom Palazzo Pitti entfernt, und setzt den Fokus auf handwerklich hergestellte Weine aus Frankreich und Italien. Nicola kennt die Winzer persönlich und findet stets die Zeit, dem Gast etwas über das Weingut zu erzählen. Ein tolles Erlebnis!

Enoteca Spontanea

Via Maggio 61R, Florenz
Montag – Samstag: 17.00 – 23.00 Uhr (Warme Küche ab 19:00 Uhr)

Instagram

 

Einfache, aber unverfälschte toskanische Küche: Stracotto at its best!

Raffaella Usai

Trattoria da Burde
– rustikal-toskanische Küche mit Spitzenwein

Die seit über 120 Jahren existierende Trattoria da Burde ist längst kein Geheimtipp mehr und doch hat sie nicht jeder Tourist auf dem Schirm. Dies ist vor allem ihrer Lage außerhalb des Zentrums geschuldet, nicht weit von Ikea und Flughafen, und daher kaum eine gute Gegend zum Stadtbummel.

Trotzdem sollte man das rustikal-toskanische Restaurant der Brüder Paolo und Andrea Gori beim nächsten Florenz-Besuch unbedingt einplanen. Wer unverfälschte toskanische Gerichte wie Pappa al pomodoro, Ribollita, Stracotto oder auch eine klassische Bistecca alla Fiorentina sucht, wird hier nicht nur fündig, sondern glücklich.

Paolo steht am Herd und kocht nach den Rezepten seiner Großmutter Irene. Sein Bruder Andrea ist ein renommierter Sommelier, dessen Expertise sich in einer beeindruckenden Weinkarte von über 700 Positionen widerspiegelt. Sie umfasst vor allem toskanische Weine zu äußerst fairen Preisen. Es gibt kaum einen Spitzenwein aus der Toskana, den Andrea nicht aus dem Keller zaubern kann. Seine große Leidenschaft gilt zudem Champagner, auf der Karte verbirgt sich so manche Überraschung!

Wichtig: Da Burde hat außer am Freitag nur mittags geöffnet. Unbedingt vorher reservieren, das bei Geschäftsleuten und Familien beliebte Lokal ist fast immer bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Trattoria Da Burde

Via Pistoiese 154, Florenz
Tel. +39 055 317206
Mo – Sa: 9.00 – 18.00 Uhr, Fr. bis 23.00 Uhr; Ruhetag: Sonntag

Website

 

Küchenchefin Silvia Miniera in ihrem Element.

Heiko Mattern

Enoteca La Sosta del Rossellino
– eine Ruheoase in den Hügeln oberhalb der Stadt

Die Enoteca La Sosta del Rossellino liegt in den Hügeln von Florenz in Settignano, einem Nachbardorf von Fiesole. Mit seiner ruhigen Lage ist das kleine Lokal der richtige Ort, um der Hektik der Stadt zu entfliehen. Das hat in den vergangenen Jahren auch so manchen Polit-Promi hierher geführt: Michail Gorbatschow, Martin Schulz und auch Angela Merkel haben hier schon, ungestört von Kameras, die Gastfreundschaft von Chefin Silvia Miniera genossen.

Die sehr stimmige, feine Küche ist zwar von toskanischen und sizilianischen Einflüssen geprägt, wird aber sehr individuell von Silvia interpretiert. Eines ihrer Signature Dishes sind beispielsweise die „Gnocchi di patate al Castelmagno“: hausgemachte Kartoffelgnocchi mit geschmolzenem Käse, ganz ohne Ei und Mehl zubereitet, die man so luftig-leicht noch nirgends sonst probiert hat.

Seit über 30 Jahren steht Silvia ihr aus Sizilien stammender Vater Damiano zur Seite, der es sich auch mit 80 Jahren nicht nehmen lässt, sich um das Wohl der Gäste zu kümmern. Die Weinkarte wird von den beiden kuratiert. Man findet auf ihr toskanische und italienische Weine von unbekannten wie bekannten Produzenten und eine kleine Auswahl aus Frankreich.

Trotz der Prominenz einiger ihrer Gäste hat die Enoteca ihren Status als Geheimtipp behalten. Die herzliche und familiäre Atmosphäre sowie die klaren, stimmigen Gerichte lohnen die etwas längere Anfahrt aus dem Zentrum.

Enoteca La Sosta del Rossellino

Via del Rossellino 2R, Florenz, Ortsteil Settignano
Tel. +39 055 697245
Do – So: 11.00 – 14.00 Uhr, 18 –22 Uhr; Ruhetage: Mo –Mi

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