In Finnland wurde 2025 erstmals Grüner Veltliner von der nördlichsten Herkunft der Welt geerntet. wein.plus-Redakteur Alexander Lupersböck konnte ihn exklusiv als erster ausländischer Journalist verkosten.
Der nördlichste Grüne Veltliner der Welt kommt aus dem Süden Finnlands und wächst auf 60,06 Grad nördlicher Breite. Das „Dragontorp“ genannte Projekt wurde von finnischen Weinfreunden initiiert und vom österreichischen Winzer und Berater Willi Opitz begleitet. 2019 pflanzten sie 600 Reben einer speziellen Selektion der Rebsorte Grüner Veltliner rund 150 Meter von der Küste entfernt. Genauere Angaben möchte Besitzerin Sigrid nicht machen, „da wir nicht plötzlich Busladungen von Neugierigen hier haben wollen. Das ist kein kommerzielles Projekt.“
Willi Opitz entschied sich für Grünen Veltliner, um dessen Eignung für kühle Klimazonen aufzuzeigen. Obwohl es dort bis zu minus 20° C kalt werden kann, erlitten die Reben keine Frostschäden. Entscheidend dafür ist laut Opitz, die Veredelungsstelle zu schützen. Der Austrieb erfolgte im Mai, die Blüte Mitte Juli. Da es so weit im Norden im Sommer nie wirklich dunkel wird, geht die Reife im Juli und August schnell. Danach kühlt es rasch wieder so weit ab, dass der Pflanzenschutz unproblematisch war, so Opitz: „Bis sich Beeren bilden, ist es schon wieder zu kühl und trocken für Pilzbefall.“ Die kerngesunden Trauben wurden zwischen dem 1. und 9. November bei rund 8° C geerntet. Verarbeitet wurden sie in der Saunahütte. Sie war gut zu temperieren und hat einen Wasseranschluss. Während der Gärung herrschten drinnen rund 18° C. Danach wurden die Weine bei 0 bis 5° C gelagert.
Aus vier Lesedurchgängen entstanden fünf Weine, insgesamt 600 Liter. wein.plus-Redakteur Alexander Lupersböck konnte sie exklusiv als erster Journalist außerhalb Finnlands verkosten. Die beiden trockenen sind straff mit sortentypischer Würze, reifer Pikanz und überraschender Länge. Die halbtrockenen zeigen kräuterige und fast Riesling-artige Aromen, Würze von weißem Pfeffer und sanfte Süße. Sie erinnern an Weine von der Mosel. Der M’Orange hat eine samtige Struktur, zarte ätherische Noten und überzeugende Länge. Ein nicht nur exotisches Vergnügen.
(al; Bild: Dragonstorp)