wein.plus
ACHTUNG
Sie nutzen einen veralteten Browser und einige Bereiche arbeiten nicht wie erwartet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser.


Nutzen Sie auch unsere leistungsstarken Suchen mit vielen flexiblen Filtern, wie zum Beispiel:

Anmelden Mitglied werden

Während Bordeaux-Châteaux mit sinkenden Preisen und weniger Nachfrage kämpfen, behaupten sich Barolo und Barbaresco im Fine-Wine-Handel erstaunlich gut. Raffaella Usai berichtet über das Geheimnis ihres Erfolgs.

Steigende Preise für Weinberge und Flaschen, eine stabile Nachfrage und keine Absatzsorgen: Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Barolo und Barbaresco gehören offenbar zu den wenigen Ausnahmen, die derzeit nicht unter der globalen Weinkrise leiden. Denn trotz insgesamt rückläufiger Umsätze im Fine-Wine-Handel zeigten die beiden Appellationen im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Stabilität.

Laut dem „Golden Vines Report 2024“ des britischen Unternehmens Liquid Icons ist das Piemont die Weinregion mit dem größten Wachstumspotenzial – noch vor der Champagne, Burgund, Toskana und Kalifornien. Barolo und Barbaresco werden zunehmend als Alternativen zu Burgundern betrachtet – preislich und auch stilistisch.

Bestätigt wird diese Entwicklung von Sergio Germano, Präsident des Schutzkonsortiums für Barolo und Barbaresco: „Nach den drei größten Fachmessen des Jahres kann ich sagen: Das Interesse an den Weinen der Langhe ist ungebrochen. Auch wenn die Veranstaltungen teils von weltpolitischer Unsicherheit überschattet waren, hat sich gezeigt, dass unsere Region eines der begehrtesten Ziele für Weinfreunde bleibt. Unser Anbaugebiet punktet im Weintourismus, aber auch mit seiner großen Weinvielfalt.“

Sergio Germano ist seit 2024 Präsident des Schutzkonsortiums Barolo-Barbaresco.

Consorzio Tutela Barolo Barbaresco Alba Langhe and Roero

Auch Barolo-Winzer Fabio Alessandria vom Weingut Comm. G.B. Burlotto aus Verduno blickt trotz der schwierigen Zeiten optimistisch in die Zukunft: „Die Stimmung unter den Kollegen ist allgemein positiv“, sagt er. Bei der Preisentwicklung müsse man aber differenzieren zwischen den Barolo und Barbaresco, die international als Anlagewert gesehen werden, und der Mehrheit der Weingüter in der Appellation. „Nur wenige Barolo sind Spekulationsobjekte“, erklärt Alessandria.

Er verkaufe seine Weine ab Weingut immer noch relativ günstig, doch die Preise würden auf den bekannten Fine-Wine-Plattformen sukzessive in die Höhe getrieben. Darauf habe er keinen Einfluss. Andere qualitativ vergleichbare Weine dagegen verließen die Weingüter wesentlich teurer, blieben dann aber ohne nennenswerte Preissteigerung auf diesem Niveau. Die Situation sei daher komplex. „Steigende Weinpreise sind nicht nur positiv. Wenn die Weine zu teuer werden, können und wollen sich viele Weinfreunde diesen Spaß nicht mehr leisten“, warnt Fabio Alessandria. Wer es mit den Preisen übertreibe, könne am Ende tief fallen. Auch das sei ein Pluspunkt für Barolo. Denn unter allen Fine Wines sei er – mit wenigen Ausnahmen – noch immer der erschwinglichste.

„Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist verglichen mit anderen Fine Wines aus Frankreich und der Toskana sehr fair geblieben“, sagt Alessandria. Zudem profitiere Barolo seit einigen Jahren von einer schnelleren Zugänglichkeit der Weine. „Die Tannine waren früher wesentlich ruppiger und brauchten viel mehr Zeit. Heute sind die meisten Barolo schneller trinkreif, was vielen Weinkennern und der Gastronomie entgegenkommt“, so Fabio Alessandria.

 

Der Fels in der Brandung

Ob es einem Anbaugebiet kollektiv gut geht, zeigt sich eben nicht nur an den wenigen Etiketten, die als Anlagewert gefeiert werden. Derzeit sind im „Liv-ex 100“ nur wenige Barolo gelistet: der Barolo 2019 von Bartolo Mascarello, der Barolo Falletto Vigna Le Rocche Riserva 2017 von Bruno Giacosa sowie die beiden Barolo Monfortino Riserva 2014 und 2015 von Giacomo Conterno. Beim Barbaresco schafft es nur der 2019er von Gaja in die Liste der hundert begehrtesten Weine der Welt. Die Preise dieser Weine sind für normale Weinfreunde kaum erschwinglich. Aber, wie Fabio Alessandria betont: Der Erfolg der Appellationen lässt sich nicht an diesen wenigen Spitzen messen.

Tatsache ist, dass es offenbar auch der breiten Masse an Weingütern der Langhe gut geht. Dies wird besonders an den Weinbergspreisen deutlich: Nach Schätzungen des Instituts für Weinbau und Önologie Crea ist ein Hektar Barolo ab 250.000 Euro zu haben, während man in Top-Lagen bis zu zwei Millionen Euro zahlen muss. Und es werden durchaus noch weit höhere Summen aufgerufen. So sprechen Insider von rund vier Millionen Euro für einen Hektar in der renommierten Barolo-Lage Cannubi.

 

Barolo gewinnt, Bordeaux verliert

Vergleicht man diese Zahlen mit Bordeaux, so wird schnell klar: Während die Subskriptionspreise der diesjährigen En-Primeur-Kampagne im Durchschnitt auf das Niveau von 2014 gefallen sind, gewinnen Barolo und Barbaresco an Wert. Doch auch hier präzisiert Fabio Alessandria: „Solche Vergleiche müssen die Relationen wahren. Barolo und Barbaresco stellen mengenmäßig eine Nische dar. Die Gesamtproduktion von Barolo und Barbaresco ist wesentlich kleiner als die der Top-Weingüter in Bordeaux“, so Fabio Alessandria.

2024 wurden laut Schutzkonsortium auf 2.281 Hektar etwas mehr als 15 Millionen Flaschen Barolo erzeugt. In der kleineren Appellation Barbaresco waren es rund 5,3 Millionen Flaschen auf 816 Hektar Rebfläche. „Unsere Stärke ist die Rebsorte Nebbiolo, aus der wir zwei charakterstarke Weine in begrenzter Flaschenanzahl produzieren“, sagt Sergio Germano.

In Bordeaux hat sich über die Jahre eine Überproduktion aufgebaut, die derzeit nicht mehr abfließen kann. In den Langhe dagegen hat das Konsortium bislang streng darauf geachtet, dass die Produktion im Einklang mit der Nachfrage bleibt. So ist die Anbaufläche für Barolo seit 2016 um lediglich 190 Hektar gewachsen. „Um unsere Appellationen und die Preise zu schützen, werden wir Anbauflächen weiter reglementieren. Dies gilt inzwischen auch für den Langhe Nebbiolo. Nur so können wir eine ausgewogene Produktionsmenge gewährleisten“, berichtet Konsortiumspräsident Germano.

 

Winzerin Marina Marcarino leitet seit vielen Jahren das Consorzio Albeisa.

Raffaella Usai

Langhe: Mehr als nur Barolo und Barbaresco

Wer bei Langhe allein an Barolo und Barbaresco denkt, irrt gewaltig. „Unser Problem ist schon immer gewesen, dass die Aushängeschilder Barolo, Barbaresco und Roero international große Anerkennung genießen, die anderen Weine aber im Schatten stehen. Wir erzeugen aber auch Dolcetto, Barbera oder Langhe Nebbiolo. Diese Weine müssen ebenfalls verkauft werden“, sagt Marina Marcarino, Präsidentin des Consorzio Albeisa. Die Produzentenvereinigung umfasst rund 330 Weingüter der Langhe und ist neben Kommunikation und Events auch für den Vertrieb der charakteristischen Albeisa-Flaschen verantwortlich. Sie prägen seit 1973 als Kollektivmarke das Image der Weine des Anbaugebiets.

Marcarino macht auch die Medien für diese Entwicklung verantwortlich. „Die Journalisten haben sich jahrzehntelang auf die renommierten Appellationen gestürzt. Aber keiner trinkt jeden Tag Barolo oder Barbaresco. Wir arbeiten daher daran, auch die weniger gehypten DOC-Weine in den Fokus zu rücken."

Nebbiolo d’Alba erfreut sich großer Beliebtheit.

Raffaella Usai

Dabei halten sich die Verkäufe von Nebbiolo und Barbera laut Schutzkonsortium relativ stabil. „Die Nebbiolo-Basisweine wie Langhe Nebbiolo und Nebbiolo d’Alba erfreuen sich derzeit guter Resonanz im Handel. Die Nachfrage und Preise bleiben stabil, vor allem bei Weinen mit junger, frischer Stilistik. Der Barbera d‘Alba behauptet weiterhin seine Marktpräsenz, obwohl es im Piemont weitere Herkunftsbezeichnungen für diese Rebsorte gibt“, berichtet Sergio Germano.

Sorgen macht ihm aber der Dolcetto, der seit Jahren unter immer weniger Rebfläche und sinkender Produktionsmenge leidet. „Um den Dolcetto neu zu beleben, braucht es eine moderne, visuelle und authentische Kommunikation, die die Sprache der jungen Generation spricht und gleichzeitig die Einzigartigkeit der Herkunftsgebiete zeigt. Mit seiner starken lokalen Identität hat der Dolcetto alles, was es braucht, um hervorzustechen. Er sollte nicht als „kleine Alternative“, sondern als authentischer Ausdruck des Piemont vorgestellt werden. Das sollte auch der Weintourismus besser nutzen“, sagte auch Andrea Ferrero, Direktor des Schutzkonsortiums, auf der Vinitaly.

Während Dolcetto immer weniger nachgefragt wird, wächst dagegen die Fangemeinde des auf rund 35 Hektar angebauten Pelaverga. Das hat auch mit dem Charakter der Weine zu tun: Der etwas rustikale Dolcetto verliert als Alltagswein immer mehr Bedeutung, der elegantere Pelaverga dagegen trifft besser den Nerv der Zeit.

 

Identität und Innovation

Die Langhe haben viele eigenständige, autochthone Weine zu bieten, mit denen sich die Weingüter von der großen anonymen Masse abheben können. Trotzdem müssen die Winzer die veränderten Konsumgewohnheiten berücksichtigen und dürfen sich nicht auf ihren Erfolgen ausruhen.

Alberto Cugnetto, Önologe an der Akademie für Landwirtschaft in Turin, fasst die Situation so zusammen: „Der piemontesische Weinbau steht vor einer entscheidenden Herausforderung: die Identität seiner historischen Herkunftsbezeichnungen bewahren und sich zugleich an einen dynamischen, sich wandelnden Markt anpassen.” Weinqualität werde heute neu definiert: Frische, Trinkvergnügen und Eleganz stehen im Vordergrund, vor allem bei Weinen für den sofortigen oder mittelfristigen Konsum. „Bei großen Weinen bleibt die Identität essentiell – aber mit stärkerem Fokus auf geschmackliche Ausgewogenheit und Terroir-Charakter.”

Mehr verwandte Stories

Alle anzeigen
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr
Mehr

Veranstaltungen in Ihrer Nähe

WIR UNTERSTÜTZEN
Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg
PREMIUM PARTNER

wein.plus

Ihre Zustimmung ist gefragt

Mit Werbung lesen

... oder Premium-Mitglied werden

Genießen Sie wein.plus ohne Werbung und Tracking durch Dritte!

Bereits wein.plus -Mitglied?