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Die Brunello 2019 und 2020 sind jetzt im Handel. Sind sie aber wirklich so gut, wie sie bejubelt werden?
Kim Schreiber und Marcus Hofschuster haben über 200 Weine blind verkostet.

 

Consorzio Brunello - Sara Matthews LLC

Den Brunello-Jahrgang 2020 in wenigen Worten zu beschreiben, ist fast unmöglich. Das Konsortium versucht es dennoch und kommt nach einer kompletten Neuerfindung seiner Jahrgangs-Bewertungspraxis auf „fesselnd, brillant und saftig”.

Zugegeben, das ist uns doch ein wenig zu euphorisch. Unter den 84 Proben, die uns bislang vorgestellt wurden, haben wir vielleicht eine Handvoll Weine gefunden, auf die alle drei Attribute gleichermaßen zutreffen. Immerhin zeigen rund 50 weitere Weine mit hervorragenden Noten, dass es sich beim 2020er zwar nicht um einen großen, aber doch um einen sehr guten Jahrgang handelt.

Das Jahr begann mit einem milden Winter und ausreichenden Niederschlägen sowie einem trockenen Frühjahr. Der Juni brachte viel Regen, doch darauf folgte eine wochenlange Trockenphase. Zwar waren die Temperaturspitzen in den beiden Hitzewellen nicht ganz so extrem wie in anderen Jahren, aber die anhaltende Trockenheit und sehr hohe Durchschnittstemperaturen sorgten dafür, dass Ende August an manchen Stöcken nur mehr eingetrocknete Trauben hingen. Es folgten zunächst moderate Niederschläge, die den Reben eine gewisse Entspannung brachten, und darauf ein Monat mit kühleren Temperaturen sowie deutlichen Schwankungen zwischen Tag und Nacht.

Mitte September zeigten die Trauben je nach Ausrichtung und Höhenlage der Weinberge erhebliche Reifeunterschiede. Doch nicht nur deshalb war der Lesezeitpunkt ein entscheidender Faktor für Qualität und Charakter der Weine. Denn gegen Ende der dritten Septemberwoche setzte noch einmal Regen ein, durch den sich die oft noch angetrockneten Trauben rehydrieren konnten. So entstand die paradox anmutende Situation, dass die später gelesenen Weine häufig mehr Frische, Kühle und Finessen aufweisen als jene, deren Trauben früher eingebracht wurden. Diese wirken meist wärmer und kraftvoller, aber weniger fein und ausgewogen.

 

Consorzio Brunello - Sara Matthews LLC

Die besten Brunello des Jahrgangs finden sich dennoch in beiden Kategorien. Wer gekochte Aromen und spröde Tannine vermeiden konnte, hat auch auf der kraftvollen Seite beeindruckende, vielschichtige, in Bestform geschmeidige und doch strukturierte Weine erzeugt. Die besten Exemplare der kühleren Fraktion sind brillant reintönig, präzise, frisch und differenziert.

Nicht ganz ohne Enttäuschungen verlief die Verkostung der 2019er Riserve. Der Jahrgang genießt einen gigantischen Ruf und gilt neben 2015 und 2016 als einer der stärksten der Dekade. Oft wird der Eindruck erweckt, man könne die 2019er blind kaufen, und die Riserve würden dem ohnehin schon beeindruckenden Jahrgang die Krone aufsetzen.

Solchen Aussagen würden wir nach unseren Erfahrungen die Unterschrift bislang verweigern. Zwar ist die Durchschnittsqualität der uns vorgestellten Weine hoch, aber dennoch fehlten uns bei vielen Exemplaren ein wenig Präzision, Frische und Saftigkeit. Manche waren konzentriert, aber wenig differenziert, andere mächtig, aber eher freudlos, wieder andere gar spröde. Doch egal, ob sein Stil eher spannungsreich oder geschmeidig ist, kraftvoll oder eher elegant, rassig oder voluminös: Ein erstklassiger Brunello besitzt stets Komplexität, Tiefe, Präzision und vor allem ein betörendes Element, das den Wein aus Montalcino einzigartig macht. Letzteres fanden wir vor allem in den 2019er Riserve zu selten – gerade in Anbetracht des Jubels, der dem Jahrgang anhaftet. Da wir uns die Weine alle mehrfach vornehmen und ihnen Zeit und Luft geben, bis wir zu einer abschließenden Bewertung kommen, können wir auch das Argument der fehlenden Flaschenreife nur bedingt gelten lassen. Daher muss man hier ebenso sorgfältig auswählen, wie bei den 2020er Annate.

Rund 200 Brunello di Montalcino haben wir aktuell probiert. Die Besten stellen wir hier vor. Der größte Teil verteilt sich auf die Jahrgänge 2020 (Annata, aber auch Lagen- und Prestige-Weine) und 2019 (überwiegend, aber nicht ausschließlich Riserva). Knapp 40 Proben stammen aus älteren Jahrgängen. Einige davon sind aus unserem Archiv und aus Zeiten, in denen noch keine Flaschenbilder gemacht wurden. Zu diesen Weinen findet sich jeweils mindestens eine ältere Verkostungsnotiz. Die aktuellen Bewertung kann von der damaligen abweichen.

 

Brunello Annata 2020 und Riserva 2019 Jahrgang 2020

Brunello Annata 2020 und Riserva 2019 Jahrgang 2019

Brunello Annata 2020 und Riserva 2019 Ältere Jahrgänge

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